Energie-Einsparungspotenzial von öffentlichen Gebäuden ausschöpfen
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Energie-Einsparungspotenzial von öffentlichen Gebäuden ausschöpfen

Ist es Luxus ein Rathaus auf Passivhaus-Standard zu bringen oder ein wirtschaftliches, nachhaltiges Unterfangen? Diese Fragen wurden auch auf der Passivhaustagung 2012 in Hannover erörtert sowie in einer kurzfristigen Erhebung der ITRE (Industry, Research and Energy).

Bei energetischen Sanierungen mit einer Energieeinsparung von mindestens 80% spricht man von „Deep renovation“, wie in der künftigen EU Energieeffizienz Richtlinie gefordert wird. Ob eine flächendeckende breite Realisierung von „Deep renovation“ in ganz Europa umsetzbar ist, war Gegenstand einer kurzfristig im Auftrag des Vorsitzenden des ITRE Industry, Research and Energy Ausschusses zur Einführung der „Energy Efficiency Directive“ durchgeführten Erhebung. Innerhalb von vier Tagen konnten aus insgesamt 11 europäischen Nationen öffentliche Bauten mit „deep renovation“ ausgeforscht werden.

So wurden öffentliche Objekte mit „Deep renovation“ aus Österreich, Deutschland, Belgien, Slowenien, Italien, Schweiz, Tschechien, Schweden, Dänemark, United Kingdom und Frankreich zusammen getragen. Ein Drittel der erfassten öffentlichen Bauten weisen sogar „Deep renovation“ mit mehr als 90% Energieeinsparung auf.

Eindeutiges Ergebnis – es zahlt sich nachhaltig wirtschaftlich für die Gemeinde aus!

„Bei Sanierungen von öffentlichen Bauten mit mehr als 80% Energieeinsparung existieren in Österreich alleine bereits über 50 Best Practice Beispiele und Europaweit über 150 Best Practice Beispiele für alle Gebäudenutzungen im öffentlichen Sektor. Dabei ist es gerade einmal sieben Jahre her als Österreichs erste Altbausanierung – die Schulsanierung Schwanenstadt – als herausragendes Pilotprojekt durchgeführt wurde“, untermauert Günter Lang die Maßnahmen in der Energieeffizienz-Richtlinie.

Ein ehemaliges 50er Jahre-Fertigungsgebäude mit 13.000 m² Bruttogeschossfläche wurde in ein „Plusenergie“-Betriebs- und Industriegebäude in Hannover (siehe Bild) umgewandelt. Die Energieversorgung dieses Passivhauses erfolgt über Sonne und Biomasse. Dass selbst kulturhistorisch wertvolle Bauten zu Passivhäusern unter Wahrung der Substanz saniert werden können, wurde am Beispiel des 160 Jahre alten Bauernhauses „vulgo Weber“ aufgezeigt.

Die Sanierung eines Community Centers in London auf Passivhaus-Standard mit 95% Energieeinsparung unterstreicht die großen ökonomischen Vorteile. Weitere Beispiele aus San Francisco, Südkorea oder Brüssel zeigten die weltweiten Potentiale für derart engagierte Sanierungen auf. Erstmals wurden EnerPHit-zertifizierte Wärmedämmsysteme mit Anschlussdetails für die Gebäudemodernisierung präsentiert, deren Wärmebrücken-verlustkoeffizienten direkt ins PHPP Passivhaus Projektierungs Paket übernommen werden können. Ein zertifiziertes Passivhausfenster der A Klasse in historischer Optik bietet auch für denkmalgeschützte Gebäude höchsten Komfort.

Wirtschaftlichkeit des Passivhaus-Standards bestätigt sich

Mittlerweile spricht sich weltweit herum, wie kostengünstig Passivhäuser sind. So konnten beispielsweise die ersten Passivhäuser in Santa Fe/New Mexico bereits zu niedrigeren Baukosten als denen des „Code built home“ errichtet werden. Trotz der niedrigen Energiepreise und fehlenden rechtlichen Rahmenbedingungen in den USA macht es für kommerzielle Bauherrn mit dem „Return on invest model“ aus wirtschaftlicher Sicht Sinn, von Anfang an auf den Passivhaus-Standard zu setzen. Auch in Großbritannien zeigt eine Studie, dass sich das Passivhaus gegenüber Gebäuden nach den „UK 2010 Building Regulations“ rechnet. Die ersten beiden Passivhaus Schulen in Großbritannien wurden trotz hohen Qualitätsstandards ohne Mehrkosten gegenüber Standard-Schulen umgesetzt. Der Passivhaus-Standard gewährleistet bei PublicPrivatePartnership (PPP) Projekten dank Lebenszyklusbetrachtung Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zugleich.

Leuchtturm-Regionen weisen den Weg

Die Stadt Freiburg zeigte anderen Kommunen, wie mit Beschlüssen erfolgreich der Energiestandard für Neubauten auf Passivhausniveau gehoben werden kann. Die Stadt Frankfurt a.M., Austragungsort der kommenden 17. Internationalen Passivhaustagung, hat bis heute insgesamt 45 öffentliche Gebäude im Passivhaus-Standard realisiert, weitere 55 Gebäude sind in Planung und Bau. Hamburgs Neubaustandard erfährt durch sein Qualitätssicherungsmodell eine nachhaltige Qualitätssteigerung im Bauen – für eine innovative Bauqualität auf hohem Niveau. Dass sich das Passivhaus auch für die öffentliche Verwaltung rechnet, zeigten die Landesbauten der LBB Rheinland Pfalz anhand eines Finanzamtes und eines Institutsgebäudes für Mathematik.

Von 0 auf 250.000 – das ist Speed auf Passiv!

Die Region Brüssel präsentierte, wie sich innerhalb von nur 4 Jahren die Passivhaus Fläche von 0 auf 250.000 m² rasant erhöht hat. Die Region Brüssel zeigt damit eindrucksvoll, wie die „EU Gebäude Richtlinie“ für 2021 bereits sechs Jahre früher konsequent mit dem Passivhaus-Standard umgesetzt wird. Dies macht deutlich, dass eine vermeintliche Utopie rasch Realität wird, wenn man auch die notwendigen Mittel nutzt und umsetzt.

Krankenhäuser bieten Riesenpotential für Passivhaus-Standard

Erstmals wurden bei der Internationalen Passivhaustagung Anfang Mai auch Krankenhausprojekte in Passivhaus-Standard vorgestellt. Sei es der Neubau der Psychiatrischen Tageskliniken des LVR in Köln-Chorweiler mit lediglich 5,5% baulichen Mehrinvestitionen oder der Neubau des Klinikums in Frankfurt-Höchst mit 70.000 m². Das Thema Passivhaus-Standard im Krankenhausbau gewinnt rasch an Bedeutung, sind doch derzeit mit den Landeskliniken in den Thermenregionen Baden und Mödling mit 56.000 m², sowie dem Bettenhaus des Spitals Triemli in Zürich mit 49.500 m², und dem Chu Saint-Pierre Hopital et Laboratoire und dem L’Hopital du site „Paul Brien“ in Brüssel mit 24.000 m² bereits 7 Krankenhausobjekte in Passivhaus-Standard in Planung und Bau.

Diesen Schwung gilt es nun weiter zu forcieren und diese enorme Chance auch für den Wirtschaftsaufschwung und die Arbeitsplatzschaffung durch „Green Jobs“ in Europa rasch zu nutzen.

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