Ich wiege 2.500 Tonnen. Sie auch.

Ich wiege 2.500 Tonnen. Sie auch.

Alle Gebäude in Österreich sind Müll. Eine gewagte Aussage für einen Architekten, aber zumindest aus der Sicht des „Urban Mining“ betrachtet stimmt es. Lesen Sie hier, wie viel Bodenschätze und Rohstoffe jeder Österreicher/in pro Tag verbraucht…

Ziel von „Urban Mining“ ist das Erkennen von Rohstoffen, noch bevor diese zu Abfall werden, und die Nutzung dieser als Sekundärrohstoffe. Dadurch müssen weniger organische und anorganische Rohstoffe abgebaut werden. So schonen wir unsere endlichen Ressourcen, minimieren den Schadstoffausstoß und sparen enorm viel Energie. Für die Rückgewinnung von Sekundäraluminium werden beispielsweise nur fünf Prozent jener Energie eingesetzt, welche für die Herstellung von Primäraluminium benötigt wird.

Ich wiege 2.500 Tonnen. Sie auch.

In Österreich verbraucht jede/r EinwohnerIn rein rechnerisch täglich etwa 40 kg Bodenschätze und Rohstoffe. Der alltägliche Konsum sorgt dafür, dass die Lagerstätten an natürlichen Rohstoffen kontinuierlich schrumpfen, während gleichzeitig der Materialbestand um uns herum rasant zunimmt. Fachleute sprechen vom wachsenden „anthropogenen Lager“ (alle vom Menschen erzeugten und genutzten Produkte ohne deponierte Güter) und vom „Bergwerk der Zukunft“ (Interview mit Dipl.-Ing. Günter Pichler und Prof. Helmut Rechberger). Dieses Lager besteht im Wesentlichen aus Bauwerken und Infrastruktur, es wird auf ca. 2500 Tonnen/ÖsterreicherIn geschätzt. Die materielle Zusammensetzung dieses Lagers ist großteils mineralisch (Steine, Kies, Beton und Ziegel), aber natürlich besteht es auch aus Stahl, Holz, Aluminium, Kunststoffen … Stellt man dieses Lager den deponierten Baurestmaßen (ca. 6 Tonnen/ÖsterreicherIn/Jahr) gegenüber, so erkennt man, welch großes Rohstoffpotenzial in den Gebäuden enthalten ist und wo sich das urbane Bergwerk befindet.

Vorhandene Rohstoffe nutzen

Das von Menschen angelegte Kupferlager ist heute schon größer als die verbleibenden natürlichen Reserven. Jede/r ÖsterreicherIn vergrößert unbewusst das Lager an Eisen um etwa 400 kg pro Jahr in Form von Infrastruktur und Gebrauchsgütern, nur ein Drittel wird zurückgewonnen – der Rest verbleibt im „urbanen Bergwerk“. Aus einer Tonne Althandys, das sind etwa 10.000 Geräte, können – den Akku nicht berücksichtigt – im Durchschnitt 3500 g Silber, 350 g Gold, 150 g Palladium und 4 g Platin recycelt werden. Aus den elf Millionen Althandys, welche in Österreich in Schubladen lagern, ließen sich theoretisch knapp 400 kg Gold mit einem Wert von ca. zehn Millionen Euro extrahieren.

Solche Fakten werfen naheliegende Fragen auf: Warum besinnen wir uns nicht auf die Rohstoffe, welche schon Energie verbraucht haben und die wir bereits bezahlt haben? Warum nutzen wir nicht verarbeitete und verbaute Materialien erneut und immer wieder? Gerade im Hausbau gibt es dafür viele Möglichkeiten – oder wir bauen so, dass möglichst wenig Müll anfällt. Wie das geht, erkläre ich in meinen nächsten Beiträgen.

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