„Es sind die Kleinigkeiten, die eine gute Sanierung charakterisieren“

„Es sind die Kleinigkeiten, die eine gute Sanierung charakterisieren“

„Die steigenden Energiepreise erleichtern die bewusste Entscheidung für eine thermische Sanierung“, meint Karoline Mayer (Architekturzentrum Wien), Juryvorsitzende „Das beste Haus 2013“. Sie erklärt im Energie-Blog-Interview, worauf es bei einer gelungen Sanierung ankommt, und warum natürliche Baumaterialien immer beliebter werden.

Beim Architekturwettbewerb „Das beste Haus 2013“ wurden sehr viele Um- und Zubauten eingereicht. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?
Karoline Mayer: Renovieren kann günstiger sein als ein Neubau, das „Recyceln“ eines Gebäudes zählt zu den nachhaltigsten Taten überhaupt. Außerdem erhält eine geschickte Sanierung die Atmosphäre eines charaktervollen alten Gebäudes.

Spielen auch die staatliche Sanierungsförderung bzw. steigende Energiepreise eine Rolle?
Das ist ganz bestimmt der Fall. Die steigenden Energiepreise sind sicher mitausschlaggebend für die bewusste Entscheidung für eine thermische Sanierung. Die Sanierngsförderung hilft dabei. Von der Sanierungsförderung wäre allerdings zu wünschen, dass auch vermehrt „experimentellere“ Ansätze in der Praxis gefördert werden, statt sich auf vor allem technische Aus- und Aufrüstung zu konzentrieren.

Was zeichnet die besten Umbau- und Sanierungsprojekte aus?
Beim Projekt „Umbau Haus S“ in Vorarlberg wurde zum Beispiel ein Haus aus den 60er Jahren saniert – hier wurde Stroh als Fassadendämmmaterial eingesetzt und mit einer Schindelschalung versehen. Dabei wurde die Schalung zu den Fensteröffnungen hin angewinkelt um keinesfalls einen Verlust an Tageslicht zu erlauben. Es sind die Kleinigkeiten, die eine gute Sanierung charakterisieren.
Die besten Umbauprojekte zeichnen sich meiner Meinung nach durch eine klare Stellungnahme zum Bestand aus. Es gibt hier sowohl neue Bauteile, die klar die Formen- oder Materialsprache des bereits existierenden Gebäudes übernehmen, als auch, die bewusst neuartige Akzente setzen.

Ebenfalls ersichtlich: Trend zu natürlichen, rohen und vor allem lokalen Baumaterialien. Was sind die Vorteile?
Die Vorteile natürlicher Baumaterialien liegen auf der Hand: nachwachsende Rohstoffe, keine Schädigung der Gesundheit, eine natürliche Äesthetik, Authetizität, Materialien, die „in Würde altern“.
Rohe Baumaterialein werden vermehrt eingesetzt, da sie ohne möglicherweise giftige Beschichtungen und Anstriche auskommen. Die lokale Erhältlichkeit der Baumaterialien ist vor allem wieder durch die Nachhaltigkeitsdebatte interessant geworden. Hier werden in die Berechnung des CO2 Verbrauchs bei der Herstellung von Baustoffen auch Transportwege mit einbezogen – ähnlich wie beim Gemüse, das aus Spanien importiert wird gegen das Gemüse vom Bauern aus der Donaustadt. Begriffe wie „cradle 2 cradle“ gewinnen an Bedeutung – hier wird der gesamte Lebenszyklus eines Werkstoffes oder auch gesamten Gebäudes bedacht, von der Konstruktion hin bis zur Wiederverwertung. Nicht von der Wiege zur Bahre sondern von der Wiege zur Wiege eben.

Wie weit sind Energieeffizienz und ökologische Bauweisen bereits „Standard“?
Der Niedrigenergiestandard ist durchwegs gegeben, auch Passivhäuser trifft man immer öfter an. Kontrollierte Wohnraumbelüftung und Wärmerückgewinnung sind vielerorts Standard. Die Frage ist, ob das der richtige Weg nach vorne ist. Technische Ausrüstung wird verlangt und dabei immer weniger Raum für Kreativität und Innovation zugelassen. Hier sind es die Förderrichtlinien, die immer wieder in Frage gestellt und periodisch neu definiert werden könnten.

DAS BESTE HAUS – Architekturpreis 2013

Mit dem Architekturpreis „Das beste Haus“ unterstützt die s Bausparkasse die Verbesserung der Baukultur in Österreich.

Die 9 Siegerhäuser, aber auch die nominierten Objekte sind Best-Practice-Beispiele für alle, die bauen oder sanieren wollen. Sie basieren auf innovativen architektonischen Konzepten und setzen durch individuelle Ansätze neue Standards. Bei der diesjährigen fünften Ausgabe des Architekturpreises „Das beste Haus“ gab es insgesamt 112 Einreichungen. Am 24.4. wurden die Siegerobjekte 2013 ausgezeichnet.

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