Kohle mit Kohle…

Kohle mit Kohle…

2012 verfünffachte Österreich seine Importe von amerikanischer Kohle. 1,39 Millionen Tonnen Steinkohle gingen über den Atlantik nach Österreich, um 400 Prozent mehr als im Jahr 2011. Ein Blick auf den Preis für die schwarze Ware zeigt, wieso das so ist. Ebenfalls ein Faktor: CO2-Zertifikate sind derzeit um den Preis einer halben Pizza zu haben. Und nicht überall, wo „sauberer“ Strom aus Wasserkraft drauf steht, ist Wasserkraft drin…

Eine Tonne US-Kohle war 2012 um 36 Prozent billiger als im Jahr zuvor. Der Grund für diesen starken Drang amerikanischer Kohle nach Europa liegt im Boom des Schiefergases in den USA. Die Amerikaner erschließen diese Erdgasquellen von Jahr zu Jahr wirkungsvoller. Folglich ist Kohle auf dem US-Markt nicht mehr wettbewerbsfähig und die Amerikaner sitzen auf einem riesigen schwarzen Berg, den sie ins Ausland verkaufen müssen.

CO2-Markt funktioniert nicht mehr

Da Österreich sein Erdgas zu einem großen Teil teuer aus Russland beziehen muss, ist die billige Kohle aus den USA für die heimischen Stromversorger eine willkommene Alternative. Die Energiekonzerne nutzen den schwarzen Rohstoff, um die Herausforderungen, die der massive Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen dem Land bereitet, abzufedern. Da die Produktion von Ökostrom-Anlagen schwer prognostizierbar ist, braucht es rasch einsatzbereite Ersatzkapazitäten, um die steigende Stromversorgung zu sichern.

Saubere Wasserkraft oder Kohle?

Laut Berechnungen von GLOBAL 2000 war der Verbund mit Emissionen von knapp 11 Millionen Tonnen CO2 in den Jahren 2008-2011 in Österreich jener Stromkonzern, der am meisten klimaschädigende CO2-Emissionen verursachte. Die Kohlekraftwerke Mellach und Dürnrohr werden auf Biegen und Brechen gefahren, den KonsumentInnen wird aber in der Werbung erzählt, der Strom stammt aus sauberer Wasserkraft. Grund für dieses Verhalten ist der im europäischen Emissionshandelsmarkt eingebrochene Preis für CO2-Zertifikate, der derzeit nur noch wenige Euro beträgt, gerade so viel wie eine halbe Pizza.

Global Dimming statt Global Warming

Für Österreich ist die Renaissance des schwarzen Brennstoffs aber ein zweischneidiges Schwert. Denn die Kohle aus den USA ist nicht nur billig. Sie zu verbrennen, ist auch der umweltschädlichste Weg, um Strom zu erzeugen. Wieder mehr Kohle zu verbrennen, damit werden die österreichische Energiewende und unsere Klimaschutzziele ad absurdum geführt. Aber vielleicht könnte man auch zynisch anmerken, dass die europaweite, vermehrte Kohleverbrennung wieder zu einer globalen Verdunkelung führt. Sie könnte durch ihre abkühlende Wirkung das bisherige Ausmaß des Treibhauseffekts dämpfen, aber das ist eine andere Geschichte…

In diesem Sinne bis bald, Günter Pichler

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