Im Bild links das unberührte Platzertal, rechts der Gepatschspeicher, das "Vorbild" für die geplante Talsperre im Platzertal.
Drei-Täler-Wasserkraftprojekt bedroht Ötztaler Alpen

Drei-Täler-Wasserkraftprojekt bedroht Ötztaler Alpen

Ein 120 Meter hoher und 450 Meter breiter Staudamm für 42 Milliarden Liter Wasser, 25 Kilometer lange Wasserleitungsstollen mit dem Durchmesser des Brennerbasistunnels quer durch ein Natura-2000-Gebiet, und die ökologische Zerstörung der Österreichischen Flussheiligtümer Gurgler und Venter Ache – dieses Szenario droht alpinen Wildnislandschaften im Tiroler Oberland, wenn die Pläne für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal verwirklicht werden.

Bedrohung für intakte Flüsse

Zahlreiche Täler erstrecken sich in die Bergketten des Wildnisgebietes der Ötztaler Alpen, darunter das Kaunertal und das – von menschlichen Eingriffen noch weitgehend unberührte – Platzertal. Ausgerechnet dieses spektakuläre Hochtal mit seinen speziellen Lebensräumen wie alpinen Moorlandschaften und Trockenbiotopen, würde unter dem geplanten Stausee der TIWAG verschwinden. Zwischen dem Platzertal und einem bestehenden, tiefergelegenen Speicher soll ein Pumpbetrieb eingerichtet und die bestehende Anlage um zwei Kraftwerke erweitert werden. Drei Täler – das Ötztal, das Kaunertal und das Platzertal – sowie fünf Schutzgebiete mit ihrer wertvollen Fauna und Flora sind vom Projekt bedroht. Die Nationalen Flussheiligtümer – Gurgler und Venter Ache – besonders wertvolle und noch völlig intakte Flüsse würden ökologisch zerstört werden.

Naturjuwel

Das Staudamm-Projekt würde weite Bereiche der Ötztaler Alpen irreparabel schädigen. Das imposante Gebirgsmassiv mit rund 700 schneebedeckten Gipfeln bildet die Grenze zwischen Österreich und Italien und stellt das größte zusammenhängende Gletscherareal der Ostalpen dar. Seine Moränenfelder sind wertvolle Klimaarchive, seine intakten Gletscherbäche wie die Gurgler und die Venter Ache höchst schutzwürdig. Typische alpine Tierarten wie Steinadler, Alpensteinbock, Alpenmurmeltier und Alpenschneehuhn finden hier Rückzugsräume und wichtige Brutgebiete. Das südliche Ötztal beherbergt 77 von 367 Tier- und Pflanzenarten, die in Nordtirol vom Aussterben bedroht sind.

Besser Energie-Sparen, Sonnenenergie nutzen

Vorangetrieben wird das Projekt auch unter dem Vorwand Klimaschutz – Slogan „Grüne Batterie der Alpen“. Diese irreführende Bezeichnung, lenkt von der Tatsache ab, dass derzeit leider noch das Gegenteil der Fall ist: Der billige Euromix-Strom zum Betreiben von Pumpspeicherkraftwerken beinhaltet einen sehr hohen Anteil an klimaschädlichem Kohlestrom. Keine Frage, der Umstieg auf erneuerbare Energieformen ist für eine nachhaltige Energiezukunft unumgänglich. Klima- und Naturschutz dürfen dabei aber nicht gegeneinander ausgespielt werden. Um eine nachhaltige Energieversorgung sicherzustellen muss vorrangig in die Bereiche Effizienzsteigerung, Energiesparen, Modernisierung von alten Kraftwerken und Ausbau von Potentialen in Erneuerbaren Energien wie Erdwärme, Sonnen- und Windenergie investiert werden.

Totalausbau der Wasserkraft in Österreich ist nicht die Lösung

Bei einem derzeitigen Zuwachs des jährlichen Stromverbrauchs Österreichs von ca. 2 Prozent pro Jahr müsste man trotz eines Totalausbaus der Fließgewässer in spätestens vier bis fünf Jahren neue Alternativen finden. Unsere Flüsse wären dann allerdings für immer zerstört. Ihre vielen lebenswichtiger Funktionen für Mensch und Natur – wie Hochwasserschutz, Grundwassersicherung, Lebensraum für Tiere und Pflanzen und Erholungsraum für uns Menschen – unwiederbringlich verloren.

Der WWF ist für einen Ausbau der Erneuerbaren Energien, auch der Wasserkraft, wenn dieser ökologisch und sozial verträglich erfolgt. Der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal überschreitet die Grenzen der ökologischen Verträglichkeit aber bei weitem. Er bedroht das Natura 2000-Gebiet der „Ötztaler Alpen“, den Naturpark Ötztal, sowie das idyllische Platzertal mit seiner einzigartigen Pflanzenwelt. Keine noch so gut gemeinten Ausgleichsmaßnahmen können die Zerstörung solcher Lebensräume legitimieren.

Deshalb haben sich der WWF und die größten heimischen Umweltorganisationen Greenpeace, GLOBAL 2000 und Ökobüro in einer gemeinsamen Erklärung gegen das Mega-Projekt der TIWAG ausgesprochen. Auch zahlreiche lokale Initiativen wie die Umweltorganisation „Lebenswertes Kaunertal“, sowie Landwirte in einem gemeinsamen Beschluss von 18 Agrargemeinschaften der hinteren Ötztales sowie dem Ötztaler Tourismusverband Obergurgl, kämpfen gegen die Zerstörung ihrer Heimat.

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