In die Wildnis: Alaska und die Gier nach Rohstoffen

In die Wildnis: Alaska und die Gier nach Rohstoffen

1,45 Millionen ÖsterreicherInnen kauften sich ein Stück Land um darauf ein Haus zu bauen. Eine ganz normale Sache. Ein wenig absurder ist es dagegen, dass sich ein Staat ein ganzes Land kauft. Im Jahre 1867 erwarben die Vereinigten Staaten Alaska als Kolonialgebiet von Russland. Sie bezahlten 7,2 Millionen Dollar in Gold für ein Land, welches 22 mal grösser als Österreich ist. Damals waren viele Kritiker der Ansicht, das Gold wäre zum Fenster hinausgeworfen und Alaska nur ein großer Kühlschrank.

Aber die Investition von einigen US-Dollar pro Quadratmeter hat sich bestens gelohnt: Das Land ist reich an immer noch unerschlossenen Bodenschätzen, fünf Jahre nach dem Erwerb der Wildnis wurde zum ersten Mal Gold gefunden. Der Goldrausch am Klondike und Yukon lockte mehr als 40000 Abenteurer in die eisigen Weiten Alaskas. Bilder von schwer beladenen Goldsuchern, die Ameisen gleich durch Eis und Schnee zum Chilkootpass steigen, sowie die Bücher von Jack London und Jon Krakauer haben mich heuer im Herbst auch in dieses weite Land geführt. Die Wanderungen zur Independence Goldmine am Hatcher Pass und nach Kennecott zu einer der größten historischen Kupferminen des Kontinents zählen neben der unendlich weiten Landschaft und der Begegnung mit den Kodiakbären zu den unvergesslichen Erlebnissen dieser Reise.

Gewaltige Bodenschätze beinhalten einen Risikofaktor

Unterwegs in dieser großen Einsamkeit kam mir immer wieder zu Bewusstsein, dass die Natur- und Bodenschätze schier unerschöpflich sind, aber dass darin auch das Risiko für die Natur von Alaska begründet ist. Alaska beherbergt immer noch unerforschte Minen und Lagerstätten von globaler Bedeutung. Wie den Nachrichten zu entnehmen war treibt der brasilianische Bergbauriese Vale über eine Tochtergesellschaft ein neues Kupfer- und Goldprojekt im Süden Alaskas voran. Die Umweltauswirkungen auf die Bevölkerung und den Fischfang des geplanten Tagbaues sind noch nicht abschätzbar.

Gasreserven und Umweltkatastrophen

Zur Zeit ist die Haupteinnahmequelle an Rohstoff jedoch das Erdöl. Ein Viertel des amerikanischen Erdöls kommt aus Alaska. Täglich sind es 1,8 Millionen Barrel, welche in der Arktis in der Nähe der Prudhoe Bay gefördert werden. Infolge des Klimawandels wird angenommen, dass diese Region innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre eisfrei sein wird. Dies eröffnet ungeahnte wirtschaftliche Perspektiven. Neue Rohstoffvorkommen sind dann erreichbar und der Atlantik, der Pazifik und die Arktis sind auf dem Seeweg verknüpft. Laut US Geological Survey birgt die Arktis 30 Prozent der unerschlossenen Gas- und 13 Prozent der unerschlossenen Ölvorkommen, wobei der Hauptteil des Öls in Alaska und Kanada lagert. Die Auswirkungen dieser Gier nach Rohstoffen bezeugt eine der größten Umweltkatastrophen der Seefahrt, welche im Prinz-William-Sund vor Süd-Alaska 1989 stattgefunden hat.

Anbei noch einige Fotos aus Alaska, in diesem Sinne bis bald, Günter Pichler

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2 Comments

  1. Isabell Riedl sagt:

    Wahnsinns Bilder Herr Pichler, und wieder ein toller Bericht!

  2. Rita Haller sagt:

    ein wunderbarer Bericht über dieses herrliche Land……

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