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Die Heiz-Wärme, die aus dem kalten See kommt

Die Heiz-Wärme, die aus dem kalten See kommt

Das 4-Sterne-Superior-Heritage.Hotel Hallstatt am Ufer des Hallstätter Sees ist ein historisches Gebäude mit einer modernen Energieversorgung: Warmwasser sowie das Heißwasser für die Heizung werden komplett mit einer Wasser-Wärmepumpe aus dem See produziert. Wie das funktioniert, verrät Peter Scheutz von der Hallstatt HotelerrichtungsGmbH im Energie-Blog-Interview.

Sie haben das Heritage.Hotel Hallstatt 2008 saniert und dabei auch eine Wasser-Wärmepumpe installiert. Die Sonde der Wärmepumpe befindet sich etwa in 40 Metern Tiefe im Hallstätter See. Was läuft dort technisch unter Wasser ab?

Peter Scheutz: 70 Meter vom Ufer entfernt liegt in etwa 40 Metern Tiefe der Saugkorb. Das ist ein Wasserschlauch mit einem Rückschlagventil, geschützt vor Beschädigungen durch einen Gitterkäfig. Die Tiefe von 40 Metern wurde gewählt, weil hier die sogenannte „Sprungschicht“ liegt, das ist die Zone, in der das Wasser eine permanente Temperatur von 4° Celsius hat. Dies ist für eine gleichmäßige Einstellung der Wärmepumpe – Sommer und Winter – von Vorteil.

Wie kommt die Wärme aus dem kalten See ins Hotel?

Der Wasserschlauch führt in die Heizzentrale des Hotels und endet in einer Saugpumpe. Diese Pumpe saugt nun das Wasser aus dem See an und leitet es in einen Kompressor. Dort wird das Wasser komprimiert, wodurch Wärme entsteht. Diese Wärme wird in einen Wärmetauscher geleitet. Nach der Komprimierung wird das Wasser mittels einer Rückleitung, nunmehr um ca. 2° Celsius abgekühlt, wieder in den See rückgeführt. Der Komprimiervorgang wird so lange wiederholt, bis die Temperatur im Wärmetauscher ca. 55 – 58° Celsius erreicht. Dann wird das erwärmte Wasser in die Boiler für Heizung und Warmwasser weiter geleitet und von dort bei Anforderung in die Heizungsrohre oder Warmwasserleitung gepumpt. Dies geschieht entweder durch die Wärmefühler in den Zimmern, die bei Bedarf eine Anforderung auf elektronischem Weg stellen, oder durch Öffnen eines Wasserhahnes für das Warmwasser. Das Warmwasser wird aufgrund gesundheitlicher Vorschriften – Legionellen – noch zusätzlich durch eine Heizpatrone auf 68° Celsius erwärmt.

Wenn alle Boiler mit aufgeheiztem Wasser gefüllt sind, stellt sich die Saugpumpe ab?

Genau. Dann verschließt das Rückschlagventil am Ende des Saugschlauches den Schlauch, damit kein Wasser in den See zurückfließen kann und die Wassersäule erhalten bleibt. Das ist wichtig für den nächsten Saugvorgang, wenn wieder Wasser benötigt wird. Die Wassersäule darf niemals abreißen, sonst steht die Anlage.

Als Bürgermeister von Hallstatt (1993 – 2009) haben Sie sämtliche kommunalen Gebäude, das Veranstaltungszentrum und 3 Wohnhäuser der Gemeinde mit Wasserwärmepumpen ausrüsten lassen. Warum?

Durch einen Freund, der sich mit dieser Technik sehr intensiv befasst hat, wurde ich erstmals Anfangs der 1980-er Jahre mit dieser Technik konfrontiert und war bald von ihren Vorteilen, gerade für einen räumlich beengten Ort wie Hallstatt, überzeugt.

Ein Vorteil ist sicher, dass Luft- und Wasser-Wärmepumpen platzsparend funktionieren…

Ja. Im Ortszentrum Hallstatt ist durch die beengte Situation kaum Raum für Lagerplatz vorhanden. Die Lagerung von Öl ist zusätzlich problematisch, weil man die Tanks vor Auftrieb bei Hochwasserstand des Sees sichern muss. Es sind also raumsparende Heizungsanlagen gefragt, die keinen oder wenig Lagerbedarf haben. Das Echerntal, der südwestliche Bereich von Hallstatt, wurde bei Inversions-Wetterlagen im Herbst jeden Nachmittag von einer Wolkenschicht verhüllt, die durch das Verheizen von Festbrennstoffen entstand. Es war oft ein unerträglicher Zustand. Also mussten wir Lösungen suchen, die eine „Vernebelung“ des Ortes verhinderten. Die Wärmepumpe war da ein ideales Instrument. Wasser ist genügend vorhanden, und an den Berghängen, wo kein Wasser unmittelbar zur Verfügung steht, installierte man Luftwärmepumpen. Diese haben heute einen Stand der Technik, dass ein „Zuheizen“ auch bei größter Kälte unnötig ist. Das Echerntal ist heute praktisch „nebelfrei“ von Heizungsrauch, und im Zentrum wird durch die Wärmepumpenheizungen Platz gespart.

>> weitere Infos

Im zweiten Teil des Interviews erfahren Sie, wie sich das System bewährt und amortisiert, und was für Peter Scheutz die bessere Variante ist: Wasser-Wärmepumpen, oder Luft-Wärmepumpen.

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