Auch Bäume schwitzen…

Auch Bäume schwitzen…

Jeder Baum transpiriert und ist somit eine natürliche Klimaanlage. Eine 25 m hohe Buche mit einer Kronenbreite von 14 m, einem Kronenvolumen von 2700 m3 und einer innerzellularen Blattfläche von 160 000 m2 nimmt stündlich 2,5 kg CO2 und ein Liter Wasser auf. Ihre Gesamtverdunstung im Jahr beträgt 10 000 Liter Wasser. Das können wir für nachhaltige Bauprojekte nutzen.

Dieses biologische Faktum macht sich der Architekt Stefano Boeri in seinem Projekt Bosco Verticale in Mailand zu Nutzen. Als Architekt suchte er nach Möglichkeiten, einen vertikalen Wohnbau ökologisch und nachhaltig zu verwirklichen. Als Professor an Hochschulen in Mailand, Genua und Venedig lehrt er, dass Bauen ein Miteinander von Mensch, Tier und Pflanze sein soll und sein kann. Die Idee, eine hohe Wohnqualität in Wohnhochhäusern zu bieten, ist spätestens seit der Moderne wohlbekannt. Neu ist jedoch der Versuch, diesem Wunsch ein ökonomisches wie auch ökologisches Gesicht zu geben.

Ein vertikaler Wald…

Das soeben fertiggestellte Projekt umfasst zwei Wohnhochhäuser mit 80 und 112 m Höhe, deren Fassadenbegrünung zusammengenommen einen Hektar Wald abbildet. Die Versorgung des senkrecht gestapelten Waldes erfolgt mit Grundwasser, dem vorher bereits in der Klimazentrale Wärme zur Energieversorgung der Wohnungen entzogen wurde. Durch die Bewässerung des vertikalen Waldes und dessen Verdunstungsleistung entweicht bei gleichzeitiger Abkühlung Wasser in die zu warme und trockene Atmosphäre. Ein Effekt mit Mehrfachsynergie: Die Luftfeuchtigkeit steigt, die Temperatur sinkt, und der Energiebedarf des Gebäudes wird gesenkt. Der grüne Wald vor den Terrassen der Eigentumswohnungen geht mit dem Kauf selbiger nicht in die Obhut und Verantwortung der Bewohner über. Er ist Teil des „Klimasystems Fassade“ und wird deshalb nach einem Wartungsvertrag von Pflanzenfachleuten betreut um das System der klimaaktiven Fassade kontrolliert am Laufen zu halten.

Verdunstung mindert die Überhitzung der Großstadt

Als Pilotprojekt wird uns der Bosco Verticale in Mailand (siehe Foto oben) zeigen, dass wir mit intelligenten Maßnahmen wie einer vertikalen Gebäudebegrünung mit dem Ziel der Verschattung und Verdunstungskühlung die sommerliche Überhitzung unserer Großstädte und somit das Global Warming in den Griff bekommen könnten. Das Positive an diesem Pilotversuch ist auf alle Fälle die Energieeinsparung bei der Gebäudeklimatisierung, ist die Verbesserung des Mikroklimas für den Stadtteil sowie die Staubbindung und Lärmdämpfung. Hoffentlich findet dieses Experiment großen Zuspruch!

Bis bald, Günter Pichler

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