Elektroauto-Probefahrt: VW e-up! Leise … aber extrem dynamisch!

Elektroauto-Probefahrt: VW e-up! Leise … aber extrem dynamisch!

Der erste elektrische Volkswagen beeindruckt mit Sparsamkeit: Auf 100 Kilometern kann der VW e-up! mit 11,7 kWh auskommen, diese Strommenge kostet in Österreich rund 2,3 Euro (2,3 Cent/km). Aber wie fährt sich der Stromer eigentlich? Und wie schaut es mit der Langzeit-Rentabilität aus? energie-blog.at war auf Spritztour mit dem Elektro-Auto von VW.

Schlüssel anstecken. Auf die Bremse steigen. Den Schlüssel ein Stück weiterdrehen, die Tachonadel wandert ein Stück vor und wieder zurück. Den Schlüssel noch ein Stück weiterdrehen. Der Bordcomputer schreibt „Ready“, ein freundlicher Pieps-Zweiklang informiert, dass der Motor läuft – Geräusch macht er ja keines. Ich löse die Feststellbremse, schalte das Automatikgetriebe von P(arken) auf R(etour), und schon rollen wir aus der Parklücke auf die Straße. Bergab. „Der Motor läuft noch nicht, oder?“ fragt meine Beifahrerin, überrascht von der völligen Lautlosigkeit des Autos. „Doch“, antworte ich, schalte auf D(rive) und steige zum ersten Mal aufs „Strom“-Pedal. Der Wagen schnellt nach vorne, meine Beifahrerin kreischt vergnügt, „das ist ja wie früher beim Autodrom-fahren!“

Fahrspaß der elektrischen Art

Dieser Autodrom-Effekt – andere vergleichen das Elektroauto-Feeling mit dem Wegfahren in der U-Bahn – sorgt für ein neuartiges Fahrerlebnis. Der bissige Antritt ist bei Elektroautos Programm: Anders als bei Verbrennungsmotoren, die sich in unterschiedlichen Drehzahlbereichen mehr oder weniger wohl fühlen, wird bei E-Autos das volle Drehmoment sofort auf die Straße gebracht. Beim e-up! gelingt dies besonders rasant. Trotz der Akkus, der 230 Kilo wiegt, bringt das Auto vergleichsweise schlanke 1140 Kilo auf die Waage. Fazit: Der VW e-up! geht mit seinen 82 PS wirklich ordentlich ab, sorry für dieses etwas platte Wortspiel, aber der Name ist hier wirklich Programm. So kann man beim Ampelstart weitaus stärkeren und lauteren Autos das Nichtvorhandensein des Auspuffs zeigen, und das völlig lautlos, maximal das Quietschen der Reifen ist zu hören.

„Gib Strom!“

Der Beschleunigungs-Biss zeigt sich auch beim Rausfahren aus Ortschaften und jenseits der 100 km/h. „Papa, das war fast wie im Flugzeug“, meint Nicki, 7, beeindruckt – obwohl er immerhin den Schub eines 150 PS-Turbodiesels gewöhnt ist. Er ist von dem „besonderen“ Auto begeistert und besteht darauf, dass die Fenster auch auf der Landstraße offen bleiben. „Es ist toll, zu hören, dass man nichts hört.“

Eine Show ist beim ersten Mal auch der Tankdeckel: Dahinter verbirgt sich kein Einfüllstutzen, sondern ein Stromstecker. Mit an Bord: Ein 11 Meter langes Stromkabel, mit dem man den VW e-up! an jeder mit 16 Ampere gesicherten Steckdose aufladen kann. Die Bedankungsdauer beträgt mit 220V ca. 8 Stunden, mit einer Wallbox ca. 2-3 Stunden und bei einer Schnelllade-Tankstelle rund 20min. Dann ist die Lithium-Ionen-Batterie – die Bodenplatte des Wagens – voll. Für 100 Kilometer braucht der e-up! je nach Fahrstil und Rahmenbedingungen um die 11,7 kWh, die in Österreich rund 2,30 Euro kosten. Ergibt 2,3 Cent/km. Noch günstiger ist das Tanken, wenn der Saft aus der eigenen Photovoltaikanlage kommt.

Reiz-Thema Reichweite

Bis zu 160 Kilometer beträgt die Reichweite. Bei Gegenwind, tiefen Temperaturen und entsprechendem Heizbedarf, oder auf Strecken mit vielen Steigungen sinkt der Radius entsprechend. Und das ist auch das erste „Aber“, auf die während der Testfahrt mehrmals geäußerte Forderung der Kinder: „Wir wollen so ein Elektro-Auto!“ Wobei: Der VW e-up! ist von seinen Dimensionen her als City-Flitzer konzipiert und kommt wohl oft als Zweitauto zum Einsatz, dem längere (Urlaubs)-Fahrten erspart bleiben. Unterschiedliche Energiespar-Modi helfen zudem, die maximale Reichweite zu erreichen – aber dann geht wieder die Spritzigkeit flöten. Zweiter Knackpunkt, der in jeder E-Auto-Diskussion schnell kommt: Der Preis: 25.350 Euro kostet der VW e-up!. Kein Schnäppchen, dafür spart man bei den Spritkosten, bezahlt keine NoVA, die motorbezogene Versicherungssteuer entfällt ebenfalls, fallweise gibt es auch Förderungen für den E-Auto-Kauf.

Kosten, die beim E-Auto wegfallen

Ob sich ein e-up! rein wirtschaftlich gesehen auszahlt, hängt auch mit den gefahrenen Distanzen zusammen: Wer z. B. um die 100 Kilometer täglich fährt, kann ordentlich beim Sprit sparen. Was kostet eigentlich ein Service? „Es gibt kein Service“, erklärt Christian Striesenow, Vertriebs- & Markenleitung VW bei Kamper Neusiedl am See. „Auch keinen Ölwechsel, keine Verschleißteile wie Ölfilter, Keilriemen, etc.“

Langzeit-Erfahrungen

Bleibt als Fragezeichen in der Kosten-Nutzen-Rechnung der Akku: 8 Jahre Garantie gibt VW dafür. Wie lange die Akkus in der Praxis halten, und was z. B. ein 10 Jahre alter e-up! anno 2024 wert ist, wird sich erst zeigen. Persönliches Fazit bis dahin: Der VW e-up! ist ein besonderes Auto, das Spaß macht, der Umwelt und uns Abgase erspart – und bei Passanten für erstaunte Blicke sorgt. Und dass bei technischen Innovationen, die gerade am Sprung in die „breite Masse“ sind, nicht nur die Kosten-Nutzen-Rechung zählt, wissen Technikfans und Early Adopter.

Weitere Infos:
autohaus-kamper.at
volkswagen.at

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Verwandte Artikel