Weniger Dinge, weniger Platz – mehr Geld, mehr Lebensqualität?

Weniger Dinge, weniger Platz – mehr Geld, mehr Lebensqualität?

Klingt ein bisschen so, wie aus der Not eine Tugend machen, wird sich der eine oder andere denken. „Ich wohne in einer Garconniere, aber ich brauche ja nicht mehr“ hört man eher verlegen und rechtfertigend, denn voll Stolz. Wenn es nach Graham Hill, dem Gründer von LifeEdited geht, dann ist Reduktion oft eine Basis für die optimal optimierte Lebensform.

Graham Hill ist Visionär und Unternehmer, erfolgreich noch dazu. Er hat bereits in jungen Jahren mehrere Firmen gegründet, aufgebaut und um mehrstellige Beträgen gut verkauft.
Dennoch oder gerade deshalb ist er überzeugt, dass Reduktion die bessere Lebensform ist.

Less is more: Reduktion als Lebensstil der Zukunft?

Der Ausspruch „Less is more“ – mit dem der Architekt Mies van der Rohe die Architektur des 20. Jahrhunderts prägt und den Minimalismus in der Architektur ausruft, soll also auch auf unseren modernen Lebensstil anwendbar sein?
Mehr noch, Reduktion als Lebensstil der Zukunft?
Graham Hill belegt, dass er nach seinem Credo lebt, und zeigt uns seine Wohnung in Soho, New York: 39m² Gesamtfläche beherbergen Schlaf- und Wohnzimmer, eine Küche, Bad und WC, ein Gästezimmer mit 2 Betten und einen Tisch für 12 Personen sowie ein kleines Büro.

Es bedarf einiger Technik und auch Planung bis in den letzten cm² um auf knapp 40m² all diese Funktionen unterzubringen. Ein Video auf YouTube zeigt, wie dies alles möglich ist.

Auf der Homepage von LifeEdited findet sich aktuell eine interessante Grafik, die anhand eines Beispiels zeigt, wo sich die Bewohner einer beispielhaften Wohnung am meisten aufhalten.

Vergleiche ich mein Wohnverhalten – dann würde das Bild nur unwesentlich anders aussehen, bis auf die Tatsache vielleicht, dass ich, da ich nicht mehr spiele, keine Zeit am Klavier verbringen würde.

Wieso man muss?

Als Architekt plant man nur zu oft riesige Wohnlandschaften, repräsentative Räumlichkeiten, Bibliotheken und Salons für private Bauherren. Offene Wohn-, Koch-, Essbereiche sind heute sozusagen ein Muss.
Wieso ein Muss?
Weil Magazine und Freunde, Bekannte sagen – man muss – um modern und aufgeschlossen zu bauen.
Weil man Gästen das ultimative Erlebnis bieten muss und ich mir daher bei Erstbesuchen in neuen Häusern, Wohnungen von Freunden bereits bequemes Schuhwerk anziehe, weil man unglaublich lange und genau jede Ecke des Wohntraums kennenlernen muss. (Vielleicht ist dies aber auch ein Architekten Schicksal?)

Die eigenen Bedürfnisse analysieren

Jedenfalls rate ich jedem, der seinen Traum vom Wohnen in die Realität umzusetzen möchte, seine eigenen Bedürfnisse genau kennenzulernen und zu hinterfragen:
„Werde ich einen eigenen Raum für meine Bücher je ausfüllen? Wie oft bekoche ich wirklich 12 Personen auf einmal? Beherberge ich Gäste oft genug, dass diese einen sonst leerstehenden Raum benötigen? usw.

Geld und Energie sparen

Bedenken Sie, jeder neu gebaute m² Wohnfläche kostet Sie mindestens 2.000.- (inklusive wechselnder Einrichtung, Grundstückskosten, Nebenkosten vielleicht noch mehr.)
Jeden m² Wohnfläche müssen Sie warten, reinigen und beheizen. Und jeder m² Wohnfläche kostet der Umwelt Energie.

Ich denke, die Zukunft wird uns ohnehin keine Wahl lassen und uns mehr und mehr drängen über Multifunktionalität, Effizienz, Ökonomie und Minimierung nachzudenken.
Nicht jeder wird einem Graham Hill in den absoluten Minimalismus folgen wollen, aber wir sollten dennoch öfter einmal an van der Rohe denken – Less is more!

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