Solarpreise 2014: Ein Strohhaus als Sieger

Solarpreise 2014: Ein Strohhaus als Sieger

Anfang Oktober wurde der Österreichische Solarpreis 2014 vergeben. Das Burgenländische Bauunternehmen „Unser Strohhaus Bau GmbH“ gewann mit dem 1. Lasttragenden Plus-Energie-Strohhaus Österreichs in der Kategorie „Solares Bauen“. energieblog.at sprach mit „Unser Strohhaus Bau“-Geschäftsführer Michael Gromer über die Härte von Stroh, die Angst vor Neuem – und gesunde, natürlich nachwachsende Bau-Rohstoffe.

Bitte beschreiben Sie den Aufbau des Sieger-Hauses: Woraus bestehen die Wände? Wirklich nur aus Stroh?
Michael Gromer: Nur aus Bau-Stroh mit einer Rohdichte von 150kg/m³. Das Bau-Stroh übernimmt in diesem Fall die statische Funktion und die Tragfähigkeit der Außenwände.

Was sagen Sie jemandem, der meint: Kann schon sein, dass das funktioniert. Aber ich warte lieber, bis das in der breiten Masse erprobt ist, als Pionier kann man Probleme bekommen…
Für viele Menschen war die Fahrt mit den ersten Eisenbahnen zur damaligen Zeit auch noch unvorstellbar. Sie ängstigten sich vor den hohen Geschwindigkeiten, befürchteten, dadurch krank zu werden. Mit über 10.000 weltweit errichteten Strohhäusern kann man eigentlich nicht mehr von Pionierarbeit sprechen. Aber, meine ersten Fragen an zukünftige Bauherrn sind immer die gleichen: „Wollen Sie ein Haus mit gesunden, natürlichen und nachwachsenden Baustoffen bauen? Wollen Sie sich in Ihrem neuen Heim mit Materialien umgeben, die keine bekannten Allergien auslösen? Wollen Sie in Ihrem neuen Haus mit Heizkosten von unter 250.- Euro im Jahr leben? Wollen Sie der Umwelt, alleine schon bei der Errichtung, über 100 Tonnen an CO 2 ersparen?“

Die Baukosten sind mit 1.500.- pro m² Wohnnutzfläche Passivhausqualität relativ günstig. Welche Kosten kommen da noch dazu?

Diese 1.500.- Euro pro m² sind nur 66- 70% der Gesamtbaukosten, die restlichen 34 – 30% sind ganz gleich wie bei jeder anderen Bauweise und entscheidend für die Gesamtkosten. Low Technik oder High Technik? Als Beispiel: Holz- Alufenster kosten einfach um 15% mehr als Kunststofffenster. Wenn Sie nur einen Kamin errichten ist das sicher günstiger als eine Wärmepumpenanlage usw. Für ein Strohhaus in Passivhausqualität müssen sie heute mit Gesamtbaukosten von ca. 2.200- 2.400.- Euro pro m² rechnen.

Wie hart ist so eine Strohbauplatte, wie fühlt sie sich an?
Man sollte unterscheiden zwischen Bau-Stroh und Strohbauplatten. Bau-Stroh hat je nach Anforderung eine Rohdichte von mindestens 95kg/m³ bis- maximal 167kg/m³. Die Strohbauplatten haben eine Rohdichte von 367kg/m³, beides fühlt sich sehr hart an.

Die Liste mit „häufigen Fragen“ auf Ihrer Website ist groß: Gibt es in Strohballenwänden Probleme mit Mäusen- Insekten?, brennt Stroh nicht leicht, etc.?
Natürlich stellen die Bauherren bei einem Strohhaus andere Fragen und haben auch ein Recht auf genaue Antworten, aber das ist ganz normal. Schließlich geht es bei einem geplanten Hausbau für die meisten Menschen um die größte Investition ihres Lebens.

Welche Vorteile hat Stroh als Baustoff?

Stroh ist ein Baustoff der regional verfügbar ist und die Landwirtschaft fördert. Es hat den niedrigsten Primärenergiebedarf von fast allen Baustoffen und bindet sogar CO 2. Außerdem ist Stroh als Dämmstoff unschlagbar günstig.

Welche Dämmwerte haben Sie im Siegerhaus erreicht?
Der Dämmwert von Bau-Stroh liegt je nach Rohdichte zwischen 0,0448W/(m*K)- bis 0,078W/(m*K). Bei diesem Haus haben wir Dämmwerte von 0,06W/m²K bei der Decke und bei den Außenwänden 0,10W/m²K.

Zusätzliche Dämmmaterialien sind dann nicht notwendig?
Bei unserem ersten Lasttragenden Plus-Energie Strohhaus der Familie Schönbauer waren keine zusätzlichen Dämmstoffe mehr notwendig.

Was heißt das für die „Dicke“ der Wände?
Bei diesem Haus sind die Wandstärken 0,90cm stark, denn der Kundenwunsch war ein lasttragendes Strohhaus. Bei nicht lastragender Bauweise mit einer Holzriegelkonstruktion wären die Wände je nach U-Wert zwischen 0,43 und 0.53cm dick, also gleich wie bei einer herkömmlichen Bauweise.

Mit Stand Ende 2011 gibt es in Österreich ca. 250 Strohhäuser, die meisten davon wurden von privaten Hausherren gebaut. Wie viele könnten es in 10 Jahren sein?

Sehr viele. Stroh gibt es genug. Entscheidend wird sein, wie schnell diese umweltschonende und umweltfreundliche Bauweise in den nächsten Jahren an Bekanntheit gewinnen kann. Die meisten Menschen wissen überhaupt nicht, dass man mit Stroh bauen kann, bzw. darf.

Wie etabliert sind Strohhäuser im internationalen Vergleich in Österreich?
Österreich hatte am Anfang der Strohbauweise die Nase vorne. Derzeit ist Frankreich im europäischen Vergleich absolut führend, hier werden zurzeit die meisten Strohhäuser geplant und gebaut. Unser Nachbar Deutschland setzt ganz neue Maßstäbe, dort errichten sie gerade in Verden das höchste Strohhaus Europas, darin entsteht ein Zentrum für nachhaltiges Bauen. Es gibt In Deutschland sogar schon eine spezielle Berufsausbildung, „die Fachkraft für Strohballenbau“. Der Schweizer Architekt Werner Schmidt, der uns mit dem Strohvirus angesteckt hat, baut seit über 10 Jahren sehr erfolgreich lasttragende Strohhäuser. Er ist einer der besten Strohhaus- Planer- Bauer weltweit und in der Schweiz voll etabliert.

>> weitere Infos

TIPP: Mehr Strohhaus-Blogs
Sie wollen mehr über Neuheiten, aktuelle Bauprojekte, Förderungen und spannende Entwicklungen aus dem Strohhaus-Bereich und über gesundes Bauen wissen? Michael Gromer wird darüber auf Energie-Blog.at schreiben – der erste Beitrag kommt demnächst.

1 Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *