Häuser natürlich und ohne Strom klimatisieren: Die Lösung aus der Wüste

Häuser natürlich und ohne Strom klimatisieren: Die Lösung aus der Wüste

Wer auf einem der Dächer der alten iranischen Stadt Yazd steht, sieht die ganze Stadt vor sich ausgebreitet wie einen riesigen, eingeschossigen Teppich. Ein Häusermeer gleichen Typus aus Lehm, uniform und eng aneinandergebaut, nur von den Innenhöfen perforiert und von den dünnen Adern schmaler, gekrümmter Gassen durchzogen. Extrem heiße Klimata ringen den Menschen seit jeher besondere Geschicke und Fähigkeiten ab. Ein Beispiel für den menschlichen Einfallsreichtum zum Wohnen in der Wüste sind Bādgire, die Windfänger.

Bādgire, so nennen die Perser die Türme, welche die horizontale Silhouette der Wüstenstadt durchbrechen und gegen Himmel ragen. Mit ihren in alle Himmelsrichtungen weisenden Öffnungen fangen sie den Wind ein. Sie sorgen im heißen Wüstenklima für eine angenehme Belüftung und Kühlung der Wohnräume ohne den Einsatz von elektrischer Energie.

So funktioniert die Klimatisierung ohne Strom

Was wie Zauberei klingt folgt den Gesetzen der Physik. Ein hoher Kamin, der Bernoulli-Effekt aus der Strömungsmechanik und die Verdunstungskälte aus der Thermodynamik sind perfekt aufeinander abgestimmt. Im Zusammenspiel aller Faktoren kann die Außenluft von 48 Grad Celsius im Gebäudeinneren um bis zu 20 Grad Celsius abgesenkt werden. Wer jemals ein derart gekühltes Haus aus der prallen Hitze kommend betreten hat, weiß es dankbar zu schätzen, welchen Dienst die Bādgire den Menschen dieser Breiten erweisen. Für die technische Funktionalität, die durch die Konstruktion der Windtürme gewährleistet wird, spielt das kostbare Element Wasser die wichtigste Rolle.

Kühlen mit Kamineffekt

Betritt man ein Haus von der Straße, gelangt man durch einen abschüssigen Gang in das zentrale Atrium mit einem großen Wasserbecken. Das verdunstende Wasser erhöht die Luftfeuchtigkeit, ein erster Schritt hin zum Mikroklima im Haus. Durch den Aushub des Lehmmaterials – in der Regel wurden die Ziegel während der Bauphase für das Haus unmittelbar an Ort und Stelle produziert – wurde das Niveau des Bauwerks ins kühlere Erdreich verlagert, dieser Umstand ist für die Klimatisierung wichtig. Die feuchte Luft findet nun ihren Weg über großzügig angelegte Treppengänge oder aufwändig gestaltete Lufteinlässe hinab in die tieferen Räume des Hauses. Nun kommt der Kamineffekt ins Spiel. Die Wüstenwinde erzeugen an den windabgewandten Seiten der Türme den notwendigen Unterdruck. Dieser saugt die warmen Luftschichten aus dem Gebäude, die abgekühlte Luft zieht von den untersten Räumen nach. Das Haus ist ohne Energie zu verschwenden natürlich klimatisiert.

Tipp: Die Ausstellung zum Thema
Wer eine Vertiefung zum Thema wünscht, dem sei die gerade stattfindende Ausstellung IRAN im Hofmobiliendepot, Andreasgasse 7, 1070 Wien empfohlen. Dauer der Ausstellung: 17.12.2014 – 16.01.2015.

Anbei noch einige Fotos aus dem Iran, in diesem Sinne bis bald, Günter Pichler

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