Bio-Wein: Wo feine Weine „entstehen“

Bio-Wein: Wo feine Weine „entstehen“

Was bringt es dem Weingarten, wenn darin auch Suppengemüse wächst? Er wird zum funktionierenden Ökosystem – und das hilft, individuelle, terroir-geprägte Weine „entstehen zu lassen.“ Besuch beim Bio-Winzer Hans Peter Harrer.

Auf einem Arbeitstisch in Hans Peter Harrers Weinkeller liegt Gemüse: Peterwurzen, Pastinak, wilde Karotten. „Das wächst zwischen meinen Rieden. Heute koch’ ich noch eine Suppe damit“, sagt der seit 2012 demeterzertifizierte Winzer. Im Weingarten arbeitet er mit Permanentbegrünung. „Nichts wird bekämpft, jede Pflanze und jedes Tier ist willkommen. Wenn der Weingarten keine Monokultur, sondern ein funktionierendes Ökosystem ist, stellt sich ein natürliches Gleichgewicht ein.“ Die im Weingarten gewachsenen Schafgarben verwendet HP Harrrer übrigens zur Herstellung von Präparaten. Den Boden im Weingarten reißt er nie auf. „Das sind auch einige Traktorfahrten, die eingespart werden.“

Kraftwerk & Biodynamik
Aus den Boxen in Hans Peter Harrers Weinkeller spielen die Elektromusik-Pioniere Kraftwerk, in Fässern und Stahltanks reifen seine biodynamischen Weine. Wir kosten den Traiminer, gewachsen in der Riede Froschau. Seine Tante wollte die 90 Jahre alten Stöcke  roden, Hans Peter Harrer verhinderte das – „zum Glück“, meinen Kenner seines Traminers, den er zu einem auch in der Spitzengastronomie gefragten, wunderbar rosig-würzigen Orange-Wine ausbaut. Wobei HP Harrer das mit dem „ausbauen“ nicht gerne hört. Seine Philosophie im Keller ist, keine Weine zu machen, sondern Weine werden zu lassen. Er will nämlich verstehen, wie und warum in der Natur gewisse Abläufe stattfinden – und das funktioniert am besten, wenn man nur dort eingreift, wo es unbedingt notwendig ist. „Wenn man die Pflanze nicht in ein Schema drängt, wird mehr daraus.“ Generell arbeitet er lieber mit alten Reben, die Dank tiefer Wurzeln viel vom Terroir in die Flasche bringen – und auch bei heißen Sommern wie dem heurigen ohne Bewässerung auskommen.

„Der Wein gibt das vor“
Die Weine sind alle spontan vergoren. Im Keller wird viel von Hand gemacht, „als kleiner Betrieb können wir uns diesen Luxus erlauben“, schmunzelt HP Harrer. Dass diese Arbeitsweise geschmacklich hervorragende Resultate hervorbringt bzw. ermöglicht, beweist auch Harrers Blaufränkisch, Lage „Lange Ohn“: Puristisch, elegant und gleichzeitig sehr vielschichtig. Der 2015er Jahrgang liegt seit einigen Wochen auf der Maische – wann kommt er ins Fass, wann in die Flasche? „Das entscheide nicht ich. Der Wein gibt das vor“, sagt HP Harrer. „Ich prüfe regelmäßig, dann weiß ich, wann es Zeit für die nächsten Schritte ist.“

Mehr Infos:
E-Mail: h.p.harrer@weinbau-harrer.atWebsite: weinbau-harrer.at (derzeit in Arbeit)

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