Was bringt es, wenn wir umweltfreundlich Urlaub machen?
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Was bringt es, wenn wir umweltfreundlich Urlaub machen?

energieblog.at hat bei DI Otto Fichtl nachgefragt. Er verantwortet beim VKI (Verein für Konsumenteninformation) die inhaltliche Betreuung des Österreichischen Umweltzeichens für Tourismusbetriebe.

Was bringt es der Umwelt, wenn ich mit meiner Familie – 2 Erwachsene, 2 Kinder – 2 Wochen Urlaub in einem energieeffizienten Hotel mache und nicht in einem, das sich kaum um Umweltschutz kümmert?
Otto Fichtl: Das ist keine leichte Frage. Aber wenn ein Top-Betrieb mit einem durchschnittlichen Betrieb verglichen wird, können Modellrechnungen angestellt werden. So kann der Stromverbrauch 20 kWh oder mehr pro Übernachtung betragen, bei einem effizienten Betrieb liegt er bei unter 10 kWh pro Übernachtung, also nehmen wir eine Differenz von 10 kWh an. Bei der Energie für die Wärme ist es ähnlich, der Unterschied beträgt im Durchschnitt 15kWh/Übernachtung. Somit haben wir einen unterschiedlichen Energieverbrauch von 25 kWh/Übernachtung. Bei einer vierköpfigen Familie und 14 Tagen Aufenthalt ergibt das bei 56 Personentagen eine Energieeinsparung von 1.400 kWh!

Das bedeutet?
Werden für Strom- und Energienutzung im Top-Betrieb ausschließlich erneuerbare Energiequellen eingesetzt, also die anfallenden CO2 –Emissionen mit Null angesetzt, dann ergibt sich eine Einsparung von ca. 102 kg CO2 beim Strom sowie bei Annahme einer Ölheizung für die Wärmeenergie eine Einsparung von 462 kg CO2. Also in Summe eine Einsparung von über 570 kg CO2 pro Aufenthalt.

Und wenn wir den Wasserverbrauch auch einrechnen?
Beim Wasserverbrauch liegen die Werte zwischen unter 250 l pro Übernachtung für einen guten Betrieb und über 350 l pro Übernachtung für weniger effiziente Betriebe. Wenn hier mit einem Unterschied von 100 l/Übernachtung gerechnet wird, ergibt das für die vierköpfige Familie eine Einsparung von 5.600 Liter Wasser, das sind ca. 30 Badewannenfüllungen.

Was bringt mir das alles, abgesehen vom „guten Gewissen“?
Zahlreiche Maßnahmen der Zertifizierung zielen darauf ab, neben ökologischen Effekten auch Qualitätsverbesserungen zu bewirken. Dazu zählen etwa der Vorteil frischerer, regionaler Bio-Produkte oder auch die von vielen Betrieben neu gesetzten neuen Angebote bei sanfter Mobilität.

Welche neuen Entwicklungen in Sachen Umweltschutz & Energieeffizienz sind derzeit bei Gastgebern besonders verbreitet?
Der Trend zur Umstellung auf erneuerbare Energie, vor allem Biomasse, ist seit einigen Jahren deutlich spürbar. Sicherlich auch beflügelt durch Förderungen und hohe Ölpreise. Derzeit ist das Thema Elektromobilität hoch im Kurs, Betriebe investieren in den eigenen Fuhrpark, in Elektrofahrräder und Stromtankstellen. Kein wirklich „neues“ Thema aber wieder verstärkt wahrnehmbar ist ein Trend in Richtung Regionalität bei den Lebensmitteln.

Umweltfreundliche Hotels erkennt man u.a. am Europäischen Ecolabel oder am Österreichischen Umweltzeichen. Was sind die wichtigsten Kriterien, die Unterkünfte erfüllen müssen?

Ein mit dem Umweltzeichen ausgezeichneter Betrieb muss in allen Betriebsbereichen Maßnahmen umsetzten. Dazu gehören „klassische Umweltbereiche“ wie energieeffiziente Heizung und Beleuchtung, mindestens 50% Strom aus erneuerbaren Ressourcen, Maßnahmen zum Wassersparen. Auch die Erstellung eines Umweltkonzeptes und Maßnahmenplans, regelmäßige Verbrauchskontrollen, Schulung der Mitarbeiter gehören dazu. Ein besonders wichtiger Bereich beim Österreichischen Umweltzeichen ist der Bereich Lebensmittel, hier müssen regionale Produkte sowie Produkte aus Biologischer Landwirtschaft und Fairem Handel verwendet werden.

In Teil 2 des Interviews erfahren Sie, was sich private Häuslbauer und Sanierer in Sachen Umweltschutz & Energieeffizienz von umweltzertifizierten Hotels abschauen können – und welche Quartiere in Österreich besondere Vorbildwirkung haben.

Weitere Infos:
umweltzeichen.at/tourismus
umweltzeichen-hotels.at

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