Wintersporturlaub: „Es gibt umweltfreundliche Alternativ-Angebote“

Wintersporturlaub: „Es gibt umweltfreundliche Alternativ-Angebote“

Kunstschnee, riesige Liftanlagen mit teils beheizten Sesseln: Kann man als umweltbewusster Mensch überhaupt Wintersporturlaub machen? Interview mit Karmen Mentil, Geschäftsführerin „Alpine Pearls“.

Kann man als umweltbewusster Mensch überhaupt Wintersporturlaub machen?
Karmen Mentil: In der Tat ist es schwierig, umweltfreundlich Wintersporturlaub zu machen, eben aufgrund der erwähnten erforderlichen Infrastrukturen. Aber es geht! Schritt 1 wäre, auf die Anreise mit dem eigenen PKW zu verzichten und öffentlich mit Bahn oder Bus anzureisen. Die Anreise mit dem Auto verursacht den höchsten Anteil der CO2Emissionen beim Winterurlaub! Schritt 2: Nächtigung in umweltfreundlichen Unterkunftsbetrieben. Diese erkennt man z.B. am österreichischem Umweltzeichen, oder an Eco-Labels. Schritt 3 wäre, statt dem Skifahren – zumindest teilweise – auf schöne Wintersportalternativen wie Schneeschuhwandern umzusteigen. So kann jeder individuell zu seiner CO2Ersparnis beitragen.

Wie hilft Alpine Pearls dabei?
Wir haben Empfehlungen für unsere Mitgliedsorte hinsichtlich der nachhaltigen Wintersport-Entwicklung ausgearbeitet. Wir bringen den Verantwortlichen Bestpractice-Beispiele, Lösungsvorschläge und Fördermöglichkeiten nahe. Sobald ein Mitgliedsort vorbildhaft arbeitet, ziehen wir diesen in der Bewerbung „vor den Vorhang“. Zum Beispiel Werfenweng. Hier wird sommers wie winters ein tolles umweltfreundliches Alternativ-Angebot angeboten – welches auch sehr gut genutzt wird.

Alpine Pearls vereint 25 Mitgliedsgemeinden aus sechs Alpenländern. Wie ist Österreich in Sachen „sanfter Wintertourismus“ im internationalen Vergleich aufgestellt?
Ich kann das vor allem aus Sicht der Anreisemobilität beurteilen: Hier sind sowohl Österreich, aber natürlich auch die Schweiz, extrem gut aufgestellt. Nicht nur durch die zuverlässigen Zugverbindungen, auch durch die für Wintersporturlauber günstigen Tickets und Winterpauschalen. Skiverleih – und damit weniger Gepäck im Zug – ist in allen guten Wintersportorten inzwischen selbstverständlich. Genauso selbstverständlich ist in Österreich inzwischen der Gratis-Skibus, damit hat der Gast ein wirklich komfortables Angebot und keinen Grund mehr, das eigene Auto zu nutzen. Im besten Fall fährt dieser Bus nicht mehr mit Diesel, sondern zumindest mit Erdgas oder, in Pilotprojekten, sogar mit Strom.

Welche weiteren Regionen punkten mit vergleichsweise umweltfreundlichem Wintersportangebot?
In Bezug auf Energiesparen bzw. die Nutzung von alternativen Energien für die Aufstiegsanlagen punktet etwa Neukirchen am Großvenediger, wo eine riesige Photovoltaik-Anlage im Skigebiet Wildkogel installiert wurde. Sanfte Wintersport-Angebote wie Winterwandern, Schneeschuhwandern, etc. gibt es in allen unseren österreichischen alpinen Perlen. Aber auch in anderen Alpenländern wird der Nicht-Skifahrer verwöhnt.

Alpine Pearls gibt es seit zehn Jahren. Wie hat sich in diesem Zeitraum die Einstellung von Urlauber und Öffentlichkeit zu Umweltschutz und Energieeffizienz verändert?
Wir sehen einen sehr deutlichen Anstieg des Interesses von Seiten der Touristen, aber auch von Vertretern der Medien. Umweltschutz wurde zum „Mainstream“ – mit einer Einschränkung: Der Urlaub darf dadurch nicht mehr kosten. Aber wenn der Gast zum gleichen Preis umweltfreundliche Alternativen hat, nutzt er diese sehr gerne.

Wie stufen Sie die Maßnahmen der Quartiergeber und Regionen ein?
Hoteliers sind beim Thema „Sanfter Winter“ viel aufgeschlossener als vor 10 Jahren. Es gibt inzwischen sehr viele beispielhafte Initiativen und Betriebe, da „muss“ man mithalten, um keine Marktanteile zu verlieren.

Was fehlt aus Ihrer Sicht noch?
Eine spannende neue Initiative wäre, touristische Gütesiegel auf ganze Regionen, inklusive Betriebe, auszudehnen. Bisher gibt es sie nur individuell für touristische Betriebe und Reiseveranstalter. Vorbildhaft ist hier etwa die deutsche Initiative TourCert, die Nachhaltigkeits-Programme für Regionen anbietet.

Alpine Pearls, seit mehr als 10 Jahren ein Qualitätsgütesiegel für „Sanfte Mobilität“ für den Urlaub in den Alpen. 25 „Perlen der Alpen“ bilden ein Netzwerk von Urlaubsorten für sanft-mobilen Urlaub in 6 Alpenländern. Sie bieten spezielle und individuelle Urlaubserlebnisse ohne eigenes Auto bei voller Mobilitätsgarantie vor Ort. Diese beginnt bereits bei der autofreien Anreise mit Bahn und Bus.

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