Stromspeicher-Batterie für Selbermacher

Stromspeicher-Batterie für Selbermacher

PV-Speicher für alle: Eine Weinviertler Initiative tüftelt an einer Open-Source-Lösung, mit der man Batterien selbst bauen kann. Fritz Herzog, Gründer der Initiative „DIY-Bettery“, im Interview.

Was braucht man, um eine „Bettery“ selbst zu bauen, und was hat man am Ende?
Fritz Herzog: Die reine Bauzeit beträgt etwa 50 – 100 Arbeitsstunden, der materielle Einsatz 2000 Euro. Man hat dann einen Speicher mit 2,5 kWh Energieinhalt und 24 Volt Spannungsniveau. Die Idee ist: Wir, also die Selbstbaugruppe des Solarstammtisches Siebenhirten, entwickeln gemeinsam etwas, was andere überall nachbauen können. Eine Open Source Hard- und Software, mit der jeder unsere Betterie gratis – abgesehen von Material und Arbeitszeit – nachbauen kann. Weltweit sind über 1,5 Milliarden Leute ohne Stromanschluss. Mit Photovoltaik und einer Batterie, die man mit einfachen Mitteln bauen kann, hat man Strom und ist auch näher am Informationszugang.

Ist Bettery auch für Leute in Österreich interessant?
Ja, aber vor allem für Bastler. Für die meisten ist es wohl besser, ein fertiges Gerät zu kaufen. Ist eine Spur teuer, aber man erspart sich die Arbeitszeit – außerdem hat ja nicht jeder Gerätschaft und Know How, um zum Beispiel zu löten. Aber: Wer etwas von Elektrotechnik versteht, hat mit einer selbstgebauten Bettery den großen Vorteil, dass er sie auch selbst warten und reparieren kann.

Ein gekauftes Gerät ist nur „eine Spur teurer“?

Das Gekaufte kostet etwa 3000 Euro, das Selbstgebaute rein von den Materialien her 2000. Die Zellen sind das teuerste, machen über 50% vom Preis aus.

Gab es viele Probleme in der Entwicklungsphase?
Naja, wir haben schon auch Opfer gehabt (lacht), einzelne Zellen verloren in der Forschungsphase. Wir arbeiten seit ca. 1,5 Jahren an der Bettery. Vor dem Sommer soll die ausgereifte Version fertig sein, dann stellen wir die Bauanleitung zum Gratis-Download auf unsere Website. Und wir suchen Leute, die uns helfen, in den Ländern, wo wirklich Bedarf ist, dieses Know How zur Verfügung zu stellen.

Was treibt Sie an?
Wir wollen den Leuten helfen – und auch uns. Denn wenn diese 1,5 Milliarden ohne Stromversorgung die gleichen Fehler machen wie wir und auf fossile Energie setzen, schadet das uns allen. Ziel ist, dass lokal Firmen oder auch Technik-Schulen unseren Stromspeicher bauen, das geht ja mit einfachen Bauteilen.

Da wird dann auch Geld verdient…
Ja, aber das wollen nicht wir verdienen. Wir stellen das alles Open Source zur Verfügung. Es geht uns nicht um ökonomischen Erfolg. Wir haben ein großes Problem auf der Welt – die Energieversorgung, wie sie jetzt läuft, ruiniert unser Klima. Das müssen wir gemeinsam ändern.

Warum heißt die Bettery eigentlich nicht Battery?

Weil sie better sein soll als die bisherigen Lösungen, besser als Dieselaggregate, die in Gebieten ohne Stromnetz oft zur Stromversorgung genutzt werden.

Beim Weltrekord am Heldenplatz haben Sie mit Ihrer Bettery die Stromversorgung übernommen…
Ja, wir haben damit Eismaschinen, Musikanlage, Lautsprecher und dergleichen betrieben. Ich habe die „Bettery“ zuhause mit meiner PV-Anlage aufgeladen, und dann mitgenommen. Eine modernere, erfolgreichere Form der Schildbürgerei, die ja die Sonne in Säcke packen wollten (lacht).

Sie sind seit 23 Jahren im Bereich Erneuerbare Energie engagiert. Wo stehen wir heute, wohin geht die Energiereise?

1994 war Tschernobyl noch sehr nahe. Alle sagten: Wir sollten was tun. Wir sagten: Tun wir was. Begonnen haben wir in Wolkersdorf mit dem Drahdiwaberl, einem Bürgerwindrad mit 240 Beteiligten, und der daraus entstandenen Firma Ökoenergie.Seither hat sich sehr viel getan. Der Weg ist immer noch ein weiter. Aber aus meiner Sicht überlassen wir nachfolgenden Generationen nicht nur Probleme, sondern auch Lösungen. Ich denke, dass wir in 30, 40 Jahren nahezu 100% erneuerbare Energie nutzen werden. Die Elektromobilität ist das nächste, was bei uns schnell vorangehen wird. Auch hier profitieren wir von Fortschritten in der Speichertechnologie, mit den Stückzahlen und besserer Technik purzeln die Preise. Vor 4 Jahren haben Speicherzellen ungefähr das Doppelte gekostet wie jetzt, die Neuen halten aber auch viel länger. Da tut sich wirklich viel.

INFO:
Die Bauanleitung für die Bettery wird online gestellt, sobald sie finalisiert ist. Wir halten Sie auf dem Laufenden!
>> weitere Infos und Termine zur „Selbstbaugruppe“

Sie wollen beim Projekt „DIY-Bettery“ mithelfen? Infos und Anmeldemöglichkeiten gibt es auf diy-bettery.net, oder Sie senden bitte ein Mail an fritz@DIY-Bettery.net

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Verwandte Artikel