Gery Seidl: Energiesparen wie ein Sonntagskind

Gery Seidl: Energiesparen wie ein Sonntagskind

Kabarettist Gery Seidl sorgt derzeit mit seinem Programm „Sonntagskinder“ für Furore. Im energieblog.at-Interview spricht er übers Hausbauen, Energie-Sparen – und Hendl-Züchten.

energieblog.at: Du hast 10 Jahre als Bautechniker gearbeitet, ehe du dich voll deiner Karriere als Schauspieler und Kabarettist gewidmet hast. Wie ist dein privates Bauprojekt gelaufen?
Gery Seidl: Gemeinsam ein Haus errichten ist ein Meilenstein in einer Beziehung. Dass meine Frau Architektin ist und ich Bautechniker bin, macht es nicht einfacher. Wir haben es geschafft! Und sind immer noch verheiratet – glücklich. Wir wohnen seit 2013 in unserem Haus im Grünen, mitten im Wald, mit Blick über die Donau, umgeben von alten Bäumen und neuen Hochbeeten.

Welche Rolle spielt Energie-Effizienz in eurem Zuhause?
Wir haben ein Vollholzhaus auf Niedrigenergiebasis gebaut, inklusive integrierter Wohnraumlüftung und Luft-Wasser-Wärmepumpe. Wir haben auch einen Kachelofen mit Wärmetasche, von der Wärmetasche geht die Heizenergie in einen 1000 Liter-Schichtspeicher mit Wärmepumpe, und von dort in die Fußbodenheizung. Mit einer Photovoltaikanlage könnte ich energieautark Wäsche waschen, das wäre lässig!

Wieso habt ihr keine Photovoltaikanlage?
Wir haben auf dem Dach einen Anschluss für eine Photovoltaik- oder eine thermische Solaranlage. Ich warte aber noch auf technische Weiterentwicklungen, die ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis ermöglichen. Außerdem ist uns auch die Architektur unseres Hauses wichtig, eine Solaranlage am Dach würde uns optisch ehrlich gesagt wenig Freude machen. Sehr interessant finde ich gebäudeintegrierte Photovoltaik, also zum Beispiel Photovoltaik-Folien. Diese Folien kann man vollflächig auf das Dach aufbringen. Das würde niemand sehen, und man hat auch kein statisches Problem. Es gibt noch andere Alternativen: zum Beispiel eine Röhre mit einem beweglichen Spiegel. Ist aber die Frage, wie gut das im Winter bei Schnee funktioniert.

Warum interessiert du dich für nachhaltige Energie?
Weil wir das machen müssen! Elektroautos werden stark forciert, dadurch wird der Strombedarf massiv steigern. Mir gefällt der Gedanke nicht, dass wir dann mit Atomstrom durch die Gegend fahren. Dafür taugt mir die Vorstellung, das ich abends dusche, und die Energie für das Warmwasser und das Licht mit Sonne selbst produziere. Sehr wichtig ist dabei natürlich, dass es leistbare und praktische Speicherlösungen gibt. Wenn du dir ein paar Batterien in den Keller stellst und wirklich autark bist, das wär’s!

Ihr habt 4 Hühner. Auch ein Schritt in die Autarkie?
Nicht ganz. Die Körner muss ich zukaufen. Wenn du einmal einen 60 Liter Sack Körner gekauft hast, drängt sich die Frage auf: Wie kann man heute ein halbes Hendel mit Pommes und einem Cola dazu um vier Euro verkaufen? Im Supermarkt sollte man auf Fleisch aus Massentierhaltung sehen, wie die Tiere leben: Mit Schockfotos, wie auf den Zigarettenpackerln! Meine Hendl werden eines Tages eines natürlichen Todes sterben. Aber die Eier nehme ich Ihnen weg. So ein Raubritter bin ich schon. Obwohl die Hendl eh nichts mit den Eiern anfangen könnten: Hahn haben wir keinen.

Würde dich ein E-Auto interessieren?
Ja. Aber da würde mir folgende Idee gefallen: Ich fahre in der Tankstelle auf eine Rampe, drücke auf „Wechseln“, dann fährt die Batterie automatisch raus und eine neue hinein – ginge noch schneller, als Benzin tanken. Aber ich weiß, dass ist eine etwas „blauäugige“ Vorstellung: Weil sich die ganze Automobilbranche auf einen Batterie-Standard einigen müsste – und das schaffen sie ja nicht einmal bei den Handys, dass wäre ein Ladegerät für alle haben.

Herbert Steinböck ist einer der fleißigsten energieblog-Autoren. Kennt ihr euch?
Natürlich. Herbert ist großartig. Ich durfte mit ihm Impro-Theater spielen. Er ist ein absolutes Kaliber auf der Bühne. Herbert kommt und ist da. Fernsehen haben wir auch schon gemeinsam gemacht: Was gibt es Neues?, und er war auch bei mir in der Witzeshow zu Gast, was mich sehr geehrt hat.

Dein aktuelles Programm, „Sonntagskinder“, widmet sich Luxus-Problemen…
Ich frage mich in letzter Zeit oft: Was ist die Aufgabe unserer Generation? Sollen wir die Welt retten? Oder uns selbst finden, mithilfe eines Smartphones? Diese Gedanken können wir uns nur machen, weil wir in einer Wohlstandsgesellschaft leben, in einer Sonntagsgesellschaft. Wir haben Frieden, Meinungsfreiheit, viele von uns haben auch Wohlstand, und dennoch Probleme. Einige davon könnten wir relativ einfach lösen. Zumindest haben wir es in der Hand. Zum Beispiel, indem wir saubere Energie nutzen und ein bißchen mehr auf unsere Umwelt achten.

Gery Seidl

Gery Seidl
geboren am 11. Mai 1975 (Sonntag und Muttertag) in Wien, lebt mit Gattin Petra und Tochter Lilly, 8, in Höflein an der Donau.
2003 Erstes Kabarettprogramm „Warum Richard III.?“
Seidl wurde u.a. mit dem Grazer Kleinkunstvogel und dem Salzburger Stier ausgezeichnet, das Grundrezept für den Puls4-Witzestammtisch „Sehr witzig!?“ hat er mit dem Sender entwickelt.
Im Fernsehen: „Sehr witzig!?“, „Bist du deppert?“ auf Puls4
Aktuelles Programm: Sonntagskinder
www.geryseidl.at

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Verwandte Artikel