Grüner Schwede: Besuch im Stockholmer Öko-Stadtteil

Grüner Schwede: Besuch im Stockholmer Öko-Stadtteil

Grün-Weiß sind die Farben des Stockholmer Fußballklubs Hammarby. Das freut den Rapid-Fan in mir, ist aber nicht der Grund, warum ich beim Stockholm-Urlaub mit der Personenfähre von Södermalm auf die Nachbarinsel Hammarby sjöstad übersetze.

Öko-Interessierte, Stadtplaner und Architekten aus aller Welt besuchen Hammarby sjöstad. Der neue Stockholmer Stadtteil liegt rund 4 km südöstlich der Innenstadt auf einer von 14 Inseln der schwedischen Hauptstadt. Erster Eindruck: Hier lässt es sich wohl hervorragend leben. Hochmoderne Häuser, vor denen Boote parken, dazu der entspannte Flair, den Wohnen am Wasser bietet. Schwer vorstellbar, dass hier bis zur Jahrtausendwende ein dem Vernehmen nach ziemlich heruntergekommenes Industriegebiet war.

Skifoan in the city

Im Zuge der Bewerbung Stockholms für die Olympischen Spiele 2004 begann die Projektentwicklung. Ziel dabei: Die Umweltauswirkungen des Stadtteils sollen mindestens um die Hälfte niedriger sein als in vergleichbaren Neubaugebieten, Nachhaltigkeit und Lebensqualität eine zentrale Rolle spielen. Sogar einen eigenen alpinen Skihang mit Liften und vier Abfahrten gibt es: Hammarbybacken (siehe Foto). Jetzt, im Sommer, fahren dort sportbegeisterte Schweden Mountainbike. Autos sieht man auf Hammarby sjöstad kaum: 80 % der Wege werden mit dem öffentlichen Verkehr, zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt. Es gibt einen Autopool, 900 Leute teilen sich 46 Autos.

Müll wird per Röhrenpost recycelt

Neben der Anlegestelle der Fähre pumpt ein großgewachsener, langhaarig-vollbärtiger und lässig gekleideter Schwede mit einer öffentlichen Pressluftpumpe sein Fahrrad auf. Klischee, aber wahr: Zumindest im modernen Öko-Stadtteil schauen die meisten Männer so oder so ähnlich aus, viele von ihnen spazieren noch dazu kinderwagenschiebend durch die Gegend – begleitet von wohlwollenden Touristinnen-Blicken. Städteplanern wird beim Energiekonzept von Hammarby Sjöstad warm ums Herz: Jede Wohnung verfügt über einen Recyclingraum, wo brennbare Abfälle über ein unterirdisches Röhrensystem entsorgt, aber nicht weggeschmissen werden: Mit 70 km/h flitzen die Müllbeutel in ein Kraftwerk, das Elektrizität und Wärme für den Stadtteil bereitstellt. Die Bewohner von Hammarby produzieren aus Abwasser und Essensabfällen knapp die Hälfte der Energie selbst, Solarkollektoren und Photovoltaik-Anlagen helfen dabei. Insgesamt sind auf dem 160 ha großen ehemaligen Hafen- und Industriegebiet 11.000 Wohnungen und 300.000 m² Büro- und Handelsflächen für 24.000 Einwohner und 10.000 Arbeitsplätze geplant. Viele Baustellen gibt es nicht mehr, Ende 2017 soll alles fertig sein.

Das nächste Projekt

Im Osten Stockholms wird rund um den Hafen Värtahamnen ein weiteres modernes Stadtentwicklungsprojekt verwirklicht: Royal Seaport. Bis 2030 sollen 10.000 Wohnungen und 30.000 Büros entstehen. Das neue Viertel soll eine vollständig von fossilen Energieträgern unabhängigen Zero-Emission-City werden. Schweden, ich komme wieder!

Weitere Infos:
http://www.hammarbysjostad.se
http://www.stockholmroyalseaport.com

1 Kommentar

  1. Minergie Fan sagt:

    Ich denke auf jeden Fall, dass energiesparende Bauweise der richtige Schritt für die Zukunft ist. Wir haben uns auch ein Minergie Haus (Fertighaus) bauen lassen. Klar, das Haus bauen hätte billiger ausfallen können, aber dafür ist es nachhaltig und nicht nur wir haben etwas davon!

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