Verkehr: Wie werden wir in 10 Jahren unterwegs sein?

Verkehr: Wie werden wir in 10 Jahren unterwegs sein?

Ein Kernelement der Energiewende ist die Mobilität. Monika Wanjek, neue Projektleiterin „Mobilität und Verkehr“ der Österreichischen Energieagentur, im Interview über Stauvermeidung, Car-Sharing und selbstfahrende Autos.

Mobilität in den Sommerferien, das bedeutet oft: Im Stau stehen. Welche Maßnahmen könnten das ändern?

Monika Wanjek: Man kann bei starkem Verkehrsaufkommen die Geschwindigkeit reduzieren, zum Beispiel auf 80 km/h. Werden auf verschiedenen Spuren annähernd gleiche Geschwindigkeiten gefahren, ist Spurwechseln einfacher, die Sicherheitsabstände sind ähnlicher, der Verkehr fließt konstanter. Die ASFINAG setzt das bereits um, Statistiken zeigen, dass es durch diese Maßnahme zu weniger Stauungen kommt. In Zukunft könnten auch Fahrerassistenzsysteme bis hin zum vollautomatisierten Fahren bei der Stauvermeidung helfen. Beim Platooning fahren miteinander vernetzte Lastwagen enger hintereinander, als sie es sonst würden. Die Reduzierung der Sicherheitsabstände ist möglich, weil die vernetzten Fahrzeuge nicht erst auf den Vordermann reagieren, sondern auch sofort wissen, wenn der LKW vor dem Vordermann z.B. bremst – und dann ohne die Reaktionszeit, die Menschen brauchen, reagieren.

Hauptthema Ihrer Arbeit ist, mit neuen Mobilitätskonzepten den Weg in eine fossilfreie Zukunft zu unterstützen. Wie kann das gelingen?

Mit interdisziplinären Lösungen. Mobilität beinhaltet nicht nur Personen- und Güter-Mobilität, sowie Infrastruktur-Anforderungen, sondern auch Faktoren wie Wohn- und Arbeitsformen, Haushaltsgrößen, Technologie-Umstiege. Neue Antriebe wie Elektromobilität, der Ausbau der Ladestationen sowie das öffentliche Verkehrsangebot, aber auch Immobilienpreise beeinflussen die Entwicklung des Verkehrs. Wir müssen Situationen interdisziplinär abbilden und verstehen, dann kann man eingreifen. Und beobachten, was der Eingriff bewirkt. Das alles braucht Zeit.

Wie könnte das Verkehrsszenario in 10 Jahren ausschauen?

Derzeit schaut es so aus, dass die Verkehrsangebote differenzierter, die Mobilitätsformen individueller werden. Personen entscheiden situationsbedingt, welches Verkehrsmittel sie verwenden. Es gibt nicht DEN Radfahrer, DEN Auto-Sharer, DEN Öffi-Nutzer – jeder stellt sich seinen Mix nach individuellen Prioritäten zusammen. CarSharing kann jedenfalls helfen, den Parkdruck zu verringern. Gleichzeitig sollte man darauf achten, dass CarSharing nicht zu stark mit den Öffis konkurriert. Beide brauchen eine gewisse Dichte an Nachfrage und Nutzern, sonst zahlt sich das System nicht aus.

Wie werden sich selbstfahrende Fahrzeuge auswirken?

Je nachdem, wie wir damit umgehen, können sie zu geringerem Verkehrsaufkommen führen – oder das Gegenteil bewirken. Beispiel: Das Auto bringt die Kinder in die Schule, fährt leer zurück, bringt ein Elternteil in die Arbeit, fährt leer zurück, holt die Oma zum Einkaufen ab, etc. Dann hat man weniger Fahrzeuge im Bestand, aber mehr Leerfahrten und einen geringeren Besetzungsgrad. Der geringe Besetzungsgrad ist ein wesentlicher Faktor, warum es oft zu Überlastungen kommt.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Monika Wanjek über Möglichkeiten, den Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten, die „Doppelmoral“ von E-Autos – und sie verrät, wie sie selbst unterwegs ist, und wie für sie die ideale Verkehrs-Stadt aussehen würde.

Weitere Infos: https://www.energyagency.at/

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