„Gesellschaft will weg von Verbrennungsmotoren“

„Gesellschaft will weg von Verbrennungsmotoren“

Monika Wanjek, Projektleiterin „Mobilität und Verkehr“ der Österreichischen Energieagentur, im Interview über den Diesel-Skandal, E-Autos, „saubere“ Verkehrs-Konzepte – und ihre „ideale Verkehrs-Stadt“.

Wie kann der Verkehr in Städten umweltfreundlicher werden?
Monika Wanjek: Aktive Mobilitäts-Formen wie zu Fuß gehen oder Radfahren sind eine Chance, die wir interdisziplinär nutzen können. Wenn der Straßenraum attraktiv gestaltet ist, mit breiten Gehwegen, Grünflächen, Radwegen, wird das gut angenommen. Dazu braucht es viele kleine Maßnahmen, etwa Dachbegrünungen, dann ist die Luft am Gehweg besser und nicht so heiß. Man muss flott ans Ziel kommen und die Stadt dabei angenehm erleben können. In Stadtteilen, die eher dem Transit dienen, werden Öffentlicher oder motorisierter Individual-Verkehr wichtig bleiben.

Und am Land?
Wenn wir der Zersiedelung Herr werden, könnte der Öffentliche Verkehr eine größere Rolle spielen. Ansonsten können Mikroinitiativen wie Sammel-Taxis oder Fahrgemeinschaften helfen. Patentlösungen gibt es im Mobilitätsbereich nicht. Regionale und infrastrukturelle Gegebenheiten sowie individuelle Anforderung und Vorlieben sind immer unterschiedlich.

Was sagen Sie zum Diesel-Skandal?
Das ist vor allem ein deutsches Problem. Wir sind bei der Elektromobilität ganz gut in Österreich: 60-70 % unseres Stroms produzieren wir aus Wasserkraft. Spannend wird die Integration der Elektroautos ins Elektrizitätsnetz.

Viele potentielle E-Auto-Besitzer beklagen eine „Doppelmoral“: Mögliches Autofahren mit Atomstrom, oder „sauberes“ Fahren bei uns, und umweltschädlicher Herstellung der Akkus in Schwellenländern…
Wir besitzen die nötigen Rohstoffe nicht, sollten aber unbedingt auf umweltfreundliche Ressourcengewinnung achten. Unser Beitrag kann sein, etwa mit Leichtbauweise die Reichweite zu erhöhen, und Systeme für das Akku-Recycling zu entwickeln. Es würde natürlich das ganze System ad absurdum führen, wenn elektrische Autos mit Energie aus Atom- oder Kohlekraftwerken fahren. Elektroautos mit sauberem Strom sind aber ein Schlüssel zur fossilarmen Mobilität. Derzeit ist aus meiner Sicht die Werthaltungen in der Gesellschaft schon so, dass wir weg wollen von Verbrennungsmotoren. Wenn sich eine Gesellschaft das vornimmt, hat sie gute Chancen, das umzusetzen. Das ist nicht nur ein Umweltthema, sondern auch eine Frage der Versorgungssicherheit.

Wann werden die letzten Verbrennungsmotoren von unseren Straßen verschwinden?

Dass die Verbrennungsmotoren komplett von der Straße verschwinden, glaube ich nicht. Zumindest als Oldtimer werden wir ihnen noch länger begegnen, es sei denn, es gibt Verbote.

Wie wird die Steigerung der Energieeffizienz im Verkehr zu bewältigen sein: Mit einem „nationalen“ Plan, oder einer europäischen Lösung?
Bei Technologiethemen ist eine europäische Lösung sinnvoll und hilfreich. Viele verschiedene Köpfe bringen gemeinsam bessere Ergebnisse. Bei Umsetzungsmaßnahmen, etwa für die Effizienzsteigerung, wird es regionale Lösungen brauchen.

Wie sind Sie privat bevorzugt unterwegs?
Ich fahre ziemlich alles, außer einem Scooter. Einige Wege lege ich am liebsten mit dem Fahrrad zurück, ich bin begeisterte Öffi-Fahrerin, fahre aber auch sehr gerne mit dem Auto. Am allerliebsten gehe ich zu Fuß, da erlebt man die Stadt und die Umgebung am besten.

Und wenn Sie sich in Sachen Mobilität etwas wünschen dürften?
Eine Stadt für Fußgänger fände ich total schön. Die bräuchte attraktive Fußwege und natürlich ein sehr gutes Öffi-Netz, weil Gehen in manchen Situationen und bei gewissen Distanzen nicht alltagstauglich ist. Und dazu hätte ich gelegentlich gerne ein Sharing-Auto.

Im ersten Teil des Interviews spricht Monika Wanjek über Stauvermeidung, Car-Sharing und selbstfahrende Autos.

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