Claudia Kottal: „Nachhaltigkeit heißt auch, dass niemand ausgebeutet wird“

Claudia Kottal: „Nachhaltigkeit heißt auch, dass niemand ausgebeutet wird“

Schauspielerin & Theaterproduzentin Claudia Kottal im Interview über Nachhaltigkeit und ihr neues Stück „Zucker Büstenhalter“.

„Zucker Büstenhalter“ heißt die 2. OFF-Theater Eigenproduktion des Kulturvereins MAA. Claudia Kottal produziert das Stück und spielt den Obdachlosen „Streuner“. Bei einem Spaziergag durch den Alberner Hafen spricht sie im energieblog-Interview über Nachhaltigkeit, Erfolg, und Bauernmarkt-Entdeckungen während CopStories-Dreharbeiten.

Schauplatz des Stücks „Zucker Büstenhalter“ ist eine Büstenhalter-Manufaktur. Warum gefällt Ihnen dieses Setting?
Claudia Kottal: Die Geschwister David und Mira Zucker führen ein Traditionsunternehmen für maßgeschneiderte Büstenhalter. Rund um den 100. Geburtstag der Firma droht der Ruin, da es immer schwerer wird, mit Billigwaren zu konkurrieren. Das eröffnet viele Möglichkeiten für eine Tragik-Komödie, und ist für mich ein sehr aktuelles Thema: Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft und sind es gewohnt, sehr viel zu kaufen, das wir gar nicht brauchen – einfach, weil es billig verfügbar ist.

Dabei wissen wir: Wenn wir ganz billige Kleidung oder Möbel kaufen, zahlt jemand anders drauf, oft auch die Umwelt…
Genau. Und ich will nicht, das jemand seine Lebenserwartung verkürzt, weil er bei der Herstellung unserer Billig-Klamotten seine Hände in Chemikalien baden muss, oder bei der Lebensmittelproduktion Pestiziden ausgesetzt ist. Nachhaltigkeit heißt für mich auch, dass niemand ausgebeutet wird, Dass zum Beispiel Bauern, die sorgfältig und umweltfreundlich Lebensmittel herstellen, gut davon leben können. Das ist Qualität, die dann auch ihren Preis haben muss. Langfristig tut uns das allen gut: Der Umwelt, aber auch unserer Gesundheit. Billigste Nahrungsmittel sind ja meist nicht wirklich gesund.

Sie sind mit der Satire-Serie „Wir Staatskünstler“ praktisch über Nacht bekannt geworden, genießen teilweise Kult-Status. Wie hat sich das angefühlt?
Das fühlte sich toll an. Aber ich war vorsichtig, damit die Enttäuschung nicht so groß ist, wenn nicht viel nachkommt. Zum Glück konnte ich dann in „CopStories“ Bezirksinspektorin Leila Mikulov spielen. Der Wechsel von der Satire zum Krimi war wichtig, ich bin Schauspielerin, keine Kabarettistin. Bei den CopStories-Dreharbeiten habe ich am Yppenplatz übrigens einen sehr guten Bauernmarkt entdeckt. Da kaufe ich immer noch gerne nachhaltige Lebensmittel.

Warum ist Ihnen Umweltschutz wichtig?
Eine aufmerksame, gewissenhafte Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir leben, tut uns allen gut. Und kann sich positiv für uns alle auswirken. Das Nicht-Wertschätzen von Dingen fällt sonst irgendwann auf uns zurück.

Nochmals zu Ihrer Karriere: Nachhaltig planen kann man das gerade in der Schauspielerei wohl kaum, oder?
Ich – und auch fast alle Kollegen, die ich kenne, egal, wie erfolgreich sie gerade sind – haben eigentlich immer einen Plan B, falls die Rollenangebote einmal ausbleiben. Derzeit schaut mein Plan B so aus: Ich würde gerne ein kleines Einrichtungs-Geschäft aufmachen. Weil ich das kleine Gschisti-Gschasti so mag.

Sie wohnen in Wien, fahren viel mit dem Rad?
Ja, das finde ich super. Da ist man meist auch am schnellsten, außer bei weiteren Strecken. Und macht auch gleich Sport.

Die Bedeutung des Wohnen spielt auch in „Zucker Büstenhalter“ eine Rolle. Sie spielen einen Obdachlosen…
Ja. Das Stück der polnischen Autorin Zyta Rudzka ist eine Tragikkomödie mit vielen interessanten Aspekten. Es geht uns auch darum, einen Teil der Gesellschaft zu zeigen, der mit dem schnellen Wandel vom Kommunismus zum Ultraliberalismus nicht zurecht kommt.

Weitere Infos:
„Zucker Büstenhalter“, ab November im www.off-theater.at (Kirchengasse 41, 1070 Wien)
www.claudiakottal.com, www.maa.co.at

Tipp: Ab 5. Oktober ist Claudia Kottal auch in „Taxi Speiber“ im Wiener Off-Theater zu sehen. Bei dieser rasanten Theaterproduktion mit starkem Wien-Bezug handelt es sich um eine kühne Verwebung von Scorsees „Taxi Driver“ und Qualtingers „Herr Karl“.

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