Dieses Traumhaus ist ein Kraftwerk

Dieses Traumhaus ist ein Kraftwerk

Für die „Wohnzeit“ habe ich Anna und Alfred Vorderegger besucht, kurz nachdem sie in ihr smartes Sonnen-Passivhaus im Pongau eingezogen sind. Damals, im Sommer 2017: Draußen Affenhitze, drinnen angenehm kühle 23°. Jetzt, im Winter, liegt draußen bei Minusgraden Schnee. Im Haus der Vordereggers hat es angenehm warme 23°.

Sauber und günstig zur Lieblingstemperatur

„Bei 23 Grad fühlen wir uns am wohlsten, darum hat es bei uns immer 23 Grad“, erklärt Alfred Vorderegger, auf dem Foto im Technikraum, dem „Herzen des Hauses“, zu sehen. Immer die Lieblingstemperatur, das klingt lässig, und ist es auch – vor allem, wenn keine energiefressenden Klimaanlagen im Spiel sind. Bei den Vordereggers bringen Lehmputz, Wasser und eine mit selbst produziertem Sonnenstrom betriebene kontrollierte Wohnraumlüftung konstant die Lieblingstemperatur sowie ideale Luftfeuchtigkeit. In den Zimmerdecken sind Rohre verlegt, in denen Wasser zirkuliert. Im Sommer wird dieses Wasser mittels Erdwärme gekühlt, im Winter erhitzt. Die Energiekosten für die 185 m²-Immobilie: 550 Euro – für die ersten 14. Monate. Und das bei hohem Komfort, im Herbst wurde sogar der Pool geheizt.

Sonnenenergie im Salzburger Winter

„Die Wohnraumlüftung braucht nur 250 kw/h Strom pro Jahr, das sind etwa 45 Euro“, rechnet Alfred Vorderegger vor. Zusammen mit seiner Gattin betreibt er das Haustechnikunternehmen vorderegger.cc. 3 Jahre lang tüftelte er an dem Energiekonzept seines Hauses, es ist eine Art „Best of“ der momentan im Endkundenbereich erhältlichen Haustechnik. Als sich erste Details davon im Ort herumsprachen, wurde Alfred Vorderegger gefragt, ob er „ein bisschen irre“ sei. Auf dem Dach: 30 m² thermische Solar- sowie 25 m² Photovoltaik-Kollektoren. „Obwohl im September relativ wenig Sonnenscheindauer war und im Winter sehr viel Schnee gefallen ist, hatten wir im ersten Jahr einen solarthermischen Deckungsgrad von 65%“, weiß Vorderegger.

Betriebskosten senken, Umwelt schonen

Mit Photovoltaik deckt er über 60% des Strombedarfs, überschüssiger Sonnenstrom wird in Batterien gespeichert oder ins Stromnetz eingespeist. Rund 45.000 Euro Mehrkosten hat das Ehepaar für „Kraftwerk“ sowie smarte Haustechnik investiert, dafür rund 25.000 Euro Fördergeld erhalten. „Wir haben investiert, um jetzt und später geringe Betriebskosten zu haben, und weil wir umweltschonend wohnen wollen.“ Das smarte Energie-Konzept beeindruckt auch die Fachwelt, im Februar schaffte es das Haus der Vordereggers auf die Shortlist des Energy Globe Awards.

Treffpunkt Technikraum

Im 18 m² großen Technikraum: Elektrotechnik, Wärmepumpe (die Energie kommt aus 120 Metern Tiefe), Wohnraumlüftungsgerät, Kühlmodul… „fehlt nur eine Couch, weil die Männer so gerne hier sind“, schmunzelt Anna Vorderegger. Sonnenenergie fließt auch in einen 3000-Liter-Tank für die Warmwasserbereitung sowie die Fußbodenheizung. „Reicht die Kraft der Sonne zum Heizen nicht aus, schaltet sich die Erdwärmepumpe zu“, erklärt Alfred Vorderegger. Der Technik-Tüftler nutzt sein neues Zuhause auch als Labor: Er analysiert alle Daten, die das zentrale Steuerungssystem (BUS) über die Energiekreisläufe des Hauses liefert. Künftig sollen seine Kunden von den Erfahrungen aus seinen „privaten Forschungsprojekt“ profitieren. Dieses wird weiterentwickelt: Um den Eigenverbrauchs-Anteil für die Photovoltaik-Anlage zu steigern, soll der Batteriespeicher erweitert werden. Bin gespannt, was es bei meinem nächsten Besuch sonst noch Neues bei den Vordereggers gibt. Egal, zu welcher Jahreszeit ich wiederkomme: Welche Temperatur mich erwartet, weiß ich.

>> weitere Infos

2 Comments

  1. Christoph sagt:

    sehr guter Artikel!
    dieses Vorzeigebesipiel zeigt wieder einmal gut, was alles auch im privaten Haushalt so möglich ist. Besonders die niedrigen Betriebskosten für „soviel“ Technik sind erstaunlich.
    Die Investitionskosten sind natürlich auch nicht für jeden erschwinglich, aber wenn die Möglichkeit besteht und langfristig denkt ist so ein „Kraftwerk“ durchaus sinnvoll.

    • Wolfgang sagt:

      Hallo, finde das auch faszinierend. @ kosten: Die Familie sieht das als Investition in die Zukunft, Motto: Die Pensionen sind nicht sicher, deshalb sichern wir uns niedrige bzw. kaum vorhandene Betriebskosten. Muss man sich leisten können – aber wer Haus baut, kann zumindest entsprechende Gedankenspiele anstellen und dann entscheiden, ob dieser Weg für ihn attraktiv ist. Die Förderungen helfen dabei.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Verwandte Artikel