Kafka hat Flügel, Medea den Strom

Kafka hat Flügel, Medea den Strom

Die österreichische Schriftstellerin Daniela Emminger hat aus zwei wilden, langen Sommern in Kirgistan einen neuen Roman mitgebracht – und auch in Sachen Umwelt und Energie einige Abenteuer erlebt.

Als Daniela Emminger 2015 zum ersten Mal in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek gelandet ist, war gerade Hochsommer mit Temperaturen über 40 Grad. „Das alleine war schon gewöhnungsbedürftig, zumal ich ja zum Recherchieren und also Arbeiten und nicht zum Privatvergnügen vor Ort war“, erzählt die Autorin. Regelmäßige Strom- und Wasserausfälle alle paar Tage haben die Sache auch nicht leichter gemacht. Aber wo ein Wille, da ein Weg 🙂 „Man lernt, früh am Morgen, wenn das Gehirn noch einigermaßen funktioniert, zu schreiben und improvisiert, indem man täglich 5-Liter-Flaschen Trinkwasser nach Hause schleppt und damit duscht.“

Stutenmilch gegen Hitze

„Zum Glück gab’s in der Hitze an jeder Ecke einen Kymys- und Shoro-Stand der lokalen Molkerei.“ Beide Getränke (bei erstem handelt es sich um vergorene Stutenmilch, bei zweiterem um vergorenen Getreidesaft) gelten als absolute Frisch-Macher. „Sehr gewöhnungsbedürftig, aber was tut man nicht alles, um sich in der Fremde zu akklimatisieren.“

Wodkaflaschen trüben Landschaftsbild

Kirgistan ist erst seit gut einem Vierteljahrhundert eine eigenständige „Demokratie“, viele Stromleitungen stammen noch aus Sowjet-Zeiten. „Umwelt- und Klimaschutz werden noch nicht wirklich groß geschrieben, was schade ist, da in der wunderschönen kirgisischen Landschaft weggeworfene Plastik- und Wodkaflaschen, alte Autoreifen und hinterlassenes Picknick-Chaos echt stören“, so Daniela Emminger.

Energie-Erlebnis

Ein besonders schönes Energie-Erlebnis hatte Daniela Emminger wenige Tage nach ihrer Ankunft: „Als wieder einmal der Strom ausgefallen war, rief ich aus dem Wohnzimmerfenster meines Apartments in den Hof des benachbarten Cafés hinunter.“ So lernte sie Medea, die Besitzerin kennen, die über „geheime Mittel, Wege und Beziehungen“ verfügt, stets mit Strom versorgt zu werden. „Nicht nur, dass wir uns über die Wochen angefreundet haben. Nein, sie hat mir auch noch eine eigene Leitung mit Kabelrollen und Verlängerungsstecker gelegt. Von ihrer Küche im Hof des Cafés durch die Luft und mein Wohnzimmerfenster, direkt zu meinem Computer und Arbeitsplatz.“ Auch dank diesem Strom konnte die Autorin ihre sprachlich opulente, gewitzte Mischung aus Reiseabenteuer-, Historien- und Liebesroman durchs wilde Kirgistan fortsetzen.

Hier das „Beweisfoto“:

So hat die gute Medea auch einen Beitrag zu Daniela Emmingers ausgezeichnetem Roman „KAFKA MIT FLÜGELN“ geleistet. Danke, Medea!

Buchtipp

Daniela Emminger: Kafka mit Flügeln
Eine große Geschichte über das Suchen, Finden und Verlorengehen, über Genie und Wahnsinn, Freundschaft und Liebe. In »Kafka mit Flügeln« hat die österreichische Gegenwartsautorin Daniela Emminger sprachlich ein ganzes Land mitsamt seinen Bewohnern, Besonderheiten und Naturgewalten eingefangen: Kirgistan.

Event-Tipp

„Anti-Fußball-WM-Buchparty & Kökbörö“ mit Daniela Emminger
Am Di, 26. Juni um 19.00 Uhr 2018 im Fotoatelier Löwenburggasse, Löwenburggasse 2-4, 1080 Wien.
Geboten werden kirgisische Impressionen in Wort und Bild (Roman „Kafka mit Flügeln – Daniela Emminger, Bildband „Kyrgyz“ – Lisa Leutner & Patrick Rieser), Cognac, Wodka und Russendisco.

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