Bio-Winzer Sattlerhof: Mit steilen Lagen an die Spitze

Bio-Winzer Sattlerhof: Mit steilen Lagen an die Spitze

In der ersten Septemberwoche wird am Weingut Sattlerhof in Gamlitz voraussichtlich die Weinlese beginnen, zeitiger als je zuvor. In den letzten Jahren startete die Lese in der 2. Septemberwoche, vor 10 Jahren noch Ende September. „Dass wir immer früher lesen müssen, liegt zu 100% an der Klimaveränderung,“ sagt Winzer Andreas Sattler. „Auch die Jahrgangs-Unterschiede werden größer, es gibt immer mehr Wetterextreme.“

Pflanzenschutz ohne chemische Keule

Heuer zum Beispiel regnet es in den Sattlerhof-Lagen im Herzen der Südsteiermark seit April ungewöhnlich viel. Das stellt den Familienbetrieb – neben Vater & Senior-Chef Willy Sattler arbeiten die Söhne Andreas und Alexander in der Weinproduktion – vor besondere Herausforderungen: Am Sattlerhof wird nämlich biologisch gearbeitet. Mit chemischen Spritzmitteln lassen sich manche Schwierigkeiten – etwa die Pilzgefahr bei großen Regenmengen – leichter lösen, als mit biologischen Mitteln. Chemische Spritzmittel werden von den Pflanzen aufgenommen und „wachsen mit“, der Schutz hält länger an, der Winzer muss nicht so oft in den Weingarten. Biomittel müssen öfter in den Rieden verteilt werden: Das ist im Alltag ein Mehraufwand, bei lang anhaltendem Regen ein Problem – weil man mit dem Traktor nicht in die vom Regen aufgeweichten Riede fahren kann. Wobei: Besondere Herausforderungen ist man am Sattlerhof gewohnt: Viele Rebstöcke stehen auf extrem steilen Hängen und werden in sorgfältiger Handarbeit gepflegt.

„Weil Bio besser ist“

Mit dem 2016er-Jahrgang wurde am Sattlerhof die Umstellung auf Bio abgeschlossen, der Betrieb biozertifiziert. „Keiner von uns kann die Welt retten, aber jeder einen Beitrag leisten“, ist Andreas Sattler überzeugt. „Indem wir ökologisch arbeiten, tun wir etwas gegen den Klimawandel.“ Natürlich verändert die veränderte Arbeitsweise auch die Weine. „Mit Bio-Arbeitsweise holt man aus den Reben und dem Boden das Maximum heraus, weil man sich viel gezielter mit den Gegebenheiten beschäftigen muss, viel lagenspezifischer agieren muss. Das fängt schon beim individuellen Begrünungs-Management an.“ Daher drücken Bioweine ihre Herkunft besonders differenziert aus. Und das ist eines der obersten Ziele am Sattlerhof.

Wir testen den Unterschied

Beispiel: Die zwei Sattlerhof-Muskateller, einer aus der Lage Gamlitz, der andere vom Eichberg, schmecken wie zwei ziemlich unterschiedliche Weine. Lage Gamlitz ist kraftvoll, geeignet etwa als aromatischer Speisebegleiter. Der Eichberg-Muskateller schmeckt frischer, eleganter, wird in Top-Restaurants gerne als Aperitif serviert. Den Unterschied schmeckt man – das erste, was viele bei Verkostungen dann sagen: „Eh kloa, ihr gebt die Weine in unterschiedliche Fässer, behandelt sie im Keller unterschiedlich, deshalb schmecken sie so unterschiedlich.“

Muskateller ist nicht gleich Muskateller

Um zu beweisen, dass die extrem unterschiedlichen Geschmacksnuancen tatsächlich nur im Bio-Weingarten entstehen, werden die Lagen-Muskateller im Sattlerhof-Keller ident ausgebaut. Das Hervorheben des individuellen Terroirs ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Etwa 40% des Ertrags der 40 ha Weingärten gehen in den Export, werden in Top-Restaurants in Deutschland, Norwegen, Schweden, Russland, Schweiz, Japan, USA, etc. serviert – so wie etwa der genial vielschichtige Ried Kranachberg Sauvignon 2016. „Es ist uns wichtig, auch international zu beweisen, dass unsere Bio-Weine viel können“, sagt Andreas Sattler. Dann fährt er mit dem neu angeschafften Elektroauto seine Runde durch die Weingärten. Die E-Ladestation steht übrigens auch den Hotelgästen zur Verfügung, die inmitten der Weingärten Top-Weine verkosten.
>> Infos zum Weingut und zum Hotel

Der Betrieb der Sattlers ist bio-zertifiziert. Neben dem Weingut führt die Familie auch ein Genießerhotel, ein Hauben-Restaurant sowie ein Wirtshaus mit traditionellen Spezialitäten.

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